ESF-Programm "Perspektive Wiedereinstieg": Regionaltreffen werden digital

Datum
16.12.2019

Teilnehmende der Regionalgruppe West des ESF-Programms "Perspektive Wiedereinstieg" trafen sich zum ersten Mal in einem digitalen Raum von PWE@online. Im Interview berichten die teilnehmenden Projektträger*innen über ihre Erfahrungen mit dem ersten digitalen Regionaltreffen.

An ca. 20 bundesweiten Standorten wird das ESF-Bundesprogramm "Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" (PWE) umgesetzt. Regelmäßige Programm-Konferenzen und -Workshops bieten neben fachlichem Input und der Diskussion von Programmentwicklungen zusätzlichen Raum für Austausch.

Aber auch außerhalb offizieller Anlässe sprechen die PWE-Träger über An- und Herausforderungen der Projektumsetzung und teilen Erfolge im Sinne eines Wissenstransfers. Zum Beispiel die Regionalgruppe West. In dieser treffen sich die Projektstandorte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Darmstadt, Groß-Umstadt, Krefeld und Mainz abwechselnd an einem der Standorte und lernen so auch immer die "Wiedereinstiegsatmosphäre" vor Ort kennen.

Regionaltreffen werden digital

Die Projektträger der Regionalgruppe West sind alle auch PWE@online-Standorte und setzen den E-Learning- und Digitalisierungs-Baustein des Programms um. Hierbei handelt es sich um eine im Rahmen des Programms entwickelte Plattform mit E-Learning-Angeboten. Sie verfolgt den Ansatz, zeitlich und räumlich flexible Qualifizierung den Bedarfen derjenigen anzupassen, die beruflich wiedereinsteigen oder Beruf und Familie/Pflege vereinbaren müssen und wollen.

PWE@online nutzt Vitero für die Durchführung von Webseminaren im virtuellen Raum sowie die freie Software Ilias für das Lern-Management-System. Dank der Kooperation der Bundesagentur für Arbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann PWE@online den Projektstandorten und den Teilnehmenden kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Nutzung der Vitero-Räume wird durch eine Kooperation der Bundesagentur für Arbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg ermöglicht.

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© pixabay.com

Interview mit der Regionalgruppe

Wie lange treffen Sie sich schon als PWE Regionalgruppe?

Wir treffen uns seit Juni 2016 und haben die Treffen halbjährlich im Rotationsverfahren durchgeführt.

Wie kamen Sie darauf, sich jetzt zum ersten Mal digital zu treffen?

Die Idee entstand beim letzten Treffen im April in Krefeld. Weil die Kolleginnen und Kollegen für die Anreise zum Teil mehrere Stunden gebraucht haben und die (teure) Bahnverbindung mal wieder nicht funktionierte. Außerdem ist es ein gutes Training, den virtuellen Raum nicht "nur" für Online-Seminare, sondern auch für Web-Meetings zu nutzen. Das könnte eine gute Alternative zu Telefon-Konferenzen und Videotelefonie via Skype sein

Wo sehen Sie Vorteile von Webkonferenzen?

  • Die Umwelt schonen und sparen: Fahrtwege werden vermieden und es ist keine Organisation bezüglich Essen, Getränken oder Raumnutzung nötig. Das schont die Ressourcen und spart dazu Zeit und Geld.
  • Flexibilität: Für eine Webkonferenz braucht man nicht viel: Einen Computer, Internet, ein Headset - auch die Teilnahme von unterwegs per Smartphone oder Tablet ist möglich. So bieten Webkonferenzen auch die Möglichkeit, mehr Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen einzubinden und zu beteiligen und virtuelle Treffen kurzfristig zu verabreden.
  • Gemeinsam arbeiten und schneller entscheiden: In virtuellen Räumen können Dokumente gezeigt und sogar gemeinsam bearbeitet, oder auch Umfragen gemacht werden. Ergebnisse können durch einen Mitschnitt oder Screenshots gesichert werden.
  • Effizientere Abläufe: Weil Webkonferenzen mit wenigen Mausklicks durchführbar sind, sinkt auch die Barriere, sich mit Kolleg*innen auszutauschen, erheblich. Kommunizieren räumlich getrennte Mitarbeitende per Web miteinander, kann das die Arbeit aller effizienter machen.
    Für Projekt-Teilnehmende können Webkonferenzen eine gute Vorbereitung auf Online Bewerbungsszenarien sein, bei denen Arbeitgeber per Webkonferenz einen ersten persönlichen Eindruck gewinnen können.

Wo sehen Sie Nachteile von Webkonferenzen?

  • Kein "realer" Kontakt: Gestik, Augenkontakt, Händeschütteln oder Umarmen bei der Begrüßung fallen weg. "Zwischentöne", die vom Gesicht ablesbar sind, fallen ebenfalls weg, und beim gemeinsamen Essen werden auch mal Dinge besprochen, die nicht unbedingt auf der Tagesordnung stehen.
  • Technische Schwierigkeiten: Die technologischen Anforderungen für Webkonferenzen können ein Nachteil sein (nicht nur bezogen auf die Breitbandversorgung ländlicher Gebiete). Vorbereitende "Technik-Checks" für die Akteur*innen sind unabdingbar. Eingeschränkte technische Funktionalitäten und zu langsame oder instabile Internetverbindungen können zu Komplettausfällen von Webkonferenzen führen. Für nicht geübte Teilnehmende können Frustration und Misserfolgserlebnisse auftreten und zur Ablehnung dieser Dienste führen.
  • Sicherheitsrisiken: Es gibt immer irgendeine Art von Sicherheitsrisiko, wenn Kommunikation online durchgeführt wird - auch wenn die Anbieter hohe Sicherheitsstandards gewährleisten und die Datenschutzrichtlinien umsetzen. Dessen sollten Teilnehmende sich bewusst sein.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Anforderungen an digitale Kenntnisse beim beruflichen Wiedereinstieg gemacht?

"Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" legt besonders in der aktuellen Förderphase einen Schwerpunkt auf die Förderung von digitalen Kompetenzen, weil diese in der heutigen Arbeits- und Lebenswelt unverzichtbar sind und gleichzeitig viele Vorteile für Menschen bieten können, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren:

  • Räumlich unabhängige Qualifizierung, besonders in ländlichen Gebieten, in denen der öffentliche Personennahverkehr nur schlecht ausgebaut ist. Berufliche Wiedereinsteiger*innen können bestimmte Lerneinheiten auch zeitlich an ihren Familien- und Arbeitsrhythmus anpassen.
  • Digitale Kompetenzen beschränken sich nicht mehr nur auf die Handhabung eines PCs. Die Anforderungen gehen in Richtung digitale Problemlösungskompetenz und hier haben die meisten Teilnehmenden enormen Nachhol- bzw. Schulungsbedarf. Gerade für den Einstieg hat es sich als Erfolgsfaktor erwiesen, Teilnehmende in Kleingruppen-Seminaren oder in Einzelschulungen an den Umgang mit digitalen Medien heranzuführen. Haben die Teilnehmenden den Zugang erstmal gefunden, steigt auch die Motivation, sich auf Kommunikation und Weiterbildung in virtuellen Räumen einzulassen und diese zu nutzen.
    In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden zum Beispiel drei Präsenz-Angebote entwickelt, die den Einstieg erleichtern bzw. eine Brückenfunktion übernehmen, um die Teilnehmenden an die Angebote von PWE@online heranzuführen: Online-Lernen leicht gemacht, Erstellen von Online-Bewerbungen sowie Teamarbeit mit Freeware-Software

Wie halten Sie sich als Projektträger rund um das Thema Digitalisierung fit?

Andrea Balmerth vom ZIBB in Groß-Umstadt:

  • Durch die Anforderungen, die im Arbeitsumfeld der eigenen Einrichtung entstehen: täglich tauchen neue Fragen auf, irgendetwas funktioniert nicht oder es müssen Up-Dates gefahren werden.
  • Externe Weiterbildung der Mitarbeiterinnen.
  • Fester Stundenanteil für einen Administrator, der die Mitarbeiterinnen bei Problemlösungen wenn möglich miteinbezieht.
  • Die Entscheidung, PWE-Onlinestandort zu werden, hat bedingt, dass die Mitarbeiter*innen sich tiefer in das Feld Digitalisierung, Herausforderungen und Handhabung einarbeiten.

Bettina Mönnich von der IMBSE GmbH in Krefeld:

Wir haben mehrere Projekte, die sich mit dem Thema beschäftigen, und versuchen, den Mitarbeitenden im Unternehmen diese Kenntnisse bestmöglich mitzuteilen bzw. sie partizipieren zu lassen. In einem Projekt wurde z. B mit einem Programm gearbeitet, bei dem sich Lernende in der digitalen Welt anhand von Avataren im Web bewegen (Tricat). Dieses Projekt wurde auf der Mitarbeiterversammlung vorgestellt und es wurde Mitarbeitenden die Möglichkeit angeboten, an einer Schulung teilzunehmen. Ansonsten werden Weiterbildungen in diesem Bereich immer unterstützt.

Michael Traschütz-Lenz von der GBB mbH in Bad Neuenahr-Ahrweiler:

  • Ständige Weiterbildung (interne Schulung) innerhalb unserer Einrichtung,
  • Aufgreifen von Vorschlägen der Teilnehmer*innen in unserem Einzugsgebiet,
  • Erkunden von Tools der im Raum Ahrweiler genutzten Softwarelösungen.

Herzlichen Dank an Frau Andrea Balmerth vom ZIBB in Groß-Umstadt, an Frau Bettina Mönnich von der IMBSE GmbH in Krefeld und an Herrn Michael Traschütz-Lenz von der GBB mbH in Bad Neuenahr-Ahrweiler für die Beantwortung der Fragen!

Digitalisierungsthemen in PWE@online

Die Teilnahme an PWE@online stärkt digitale Kompetenzen einerseits durch die konkrete Teilnahme, also die Nutzung der Lernplattform, und die Beteiligung an den angebotenen Webinaren.

Darüber hinaus widmen sich auch Kursangebote der Aufbereitung von Inhalten und der Nutzung von Tools (zum Beispiel "Online-Marketing", "Outlook optimal nutzen", "Word effizient nutzen", "Vernetzt arbeiten") sowie digitalen Themen (zum Beispiel "Cloudcomputing verstehen", "Digital Fluency - Mit digitaler Gewandtheit in die Zukunft 4.0", "IT-Problemlösungen", "IT-Sicherheit für Anwender*innen"). Außerdem steht den Teilnehmenden auf der Lernplattform ein "Selbsttest Digitale Kompetenz" zur Verfügung.

Eine Übersicht über das gesamte Kursangebot bietet die Website PWE@online.

Das ESF-Bundesprogramm "Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" (PWE)

Das Programm "Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Das Programm unterstützt bis zum Jahr 2021 Träger- und Trägerverbünde dabei, Frauen und Männern nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung mit Aktivierungs-, Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen die Rückkehr in das Berufsleben zu erleichtern.
Weitere Informationen zum Programm finden Sie auf dem ESF-Webportal sowie auf der Website des BMFSFJ und der Website des Programms.

Auszug aus dem ESF-Newsletter