Europa-2020-Ziele: Welche Fortschritte gibt es in der EU und in Deutschland?

Datum
23.07.2017

Die Strategie "Europa 2020" ist die Agenda der Europäischen Union in Bezug auf Arbeitsplätze und Wachstum für das laufende Jahrzehnt. Mit der englischsprachigen Publikation "Smarter, greener, more inclusive?"stellt Eurostat jedes Jahr aktuelle Statistiken bereit, um die Fortschritte hinsichtlich der Erreichung der Strategieziele zu prüfen. Jetzt ist die neueste Ausgabe 2018 erschienen.

Als eines ihrer Hauptziele soll die Strategie ein hohes Maß an Beschäftigung, Produktivität und sozialem Zusammenhalt in den Mitgliedstaaten schaffen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die natürliche Umwelt reduzieren. Um dies zu erreichen, hat die EU Ziele festgelegt, die bis 2020 in den fünf Bereichen

  • Beschäftigung,
  • Forschung & Entwicklung (F&E),
  • Klimawandel & Energie,
  • Bildung sowie
  • Armutsbekämpfung

erreicht werden sollen. Diese Ziele wurden in nationale Ziele übertragen, um der Situation und den Möglichkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten, zur Verwirklichung des gemeinsamen Ziels beizutragen, Rechnung zu tragen.

Ein Set von neun Leitindikatoren und zusätzlichen Subindikatoren, die von Eurostat erstellt werden, geben einen Überblick darüber, wie nah die EU an ihre Zielvorgaben herankommt. Der Europäische Sozialfonds leistet mit seinem Operationellem Programm einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Ziele.

Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, hat nun die Ausgabe 2018 der Publikation „ Sta­ti­sti­cal book: Smar­ter, gree­ner, mo­re in­clu­si­ve? [PDF, 11MB] ” veröffentlicht. Das Buch informiert über vergangene Entwicklungen und stellt aktuelle Statistiken bereit, die zur Überwachung der Fortschritte in Richtung der Ziele der Strategie Europa 2020 nützlich sind.


Ein vollständiges Bild der Trends in den Europa-2020-Leitindikatoren

Die von Eurostat vorgelegte Analyse basiert auf den Europa-2020-Leitindikatoren, die zur Überwachung des Fortschritts bezüglich der Strategieziele herangezogen werden. Weitere Indikatoren mit Schwerpunkt auf bestimmten Untergruppen der Gesellschaft oder auf ergänzenden Themen dienen dazu, die Analysen zu vertiefen und ein umfassenderes Bild zu vermitteln.

Ziel der Publikation ist es, die Trends der letzten Jahre in Bezug auf die Leitindikatoren zu beleuchten und zum besseren Verständnis der den bisher beobachteten Entwicklungen zugrundeliegenden Faktoren beizutragen. Das nachstehende Radardiagramm veranschaulicht den aktuellen Stand der EU, indem die seit 2008 erzielten Fortschritte und der noch zurückzulegende Weg zum Erreichen der Europa-2020-Kernziele dargestellt werden.

Europa-2020-Leitindikatoren: Zielwerte und Fortschritte seit 2008

Europa-2020-Leitindikatoren: Zielwerte und Fortschritte seit 2008
© Eurostat

Im Bildungsbereich befindet sich die EU in Reichweite der beiden Hauptziele. Die jüngsten Entwicklungen bei F&E-Investitionen und Armutsbekämpfung sind weniger vielversprechend, während das Beschäftigungsziel der EU noch erreicht werden kann, wenn das Wachstum der letzten Jahre anhält. Seit 2008 wurden im Bereich Klimawandel und Energie durch Verringerung der Treibhausgasemissionen erhebliche Fortschritte erzielt. In den letzten Jahren hat sich der positive Trend jedoch verlangsamt.

Wie sieht die Lage in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten aus?

Auf die fünf thematischen Kapitel der Veröffentlichung folgt ein Länderprofil für jeden Mitgliedstaat. Diese Länderprofile bieten eine Übersicht über die jeweilige Situation in Bezug auf die nationalen Europa-2020-Ziele. Die Länderprofile enthalten jeweils eine Tabelle mit den nationalen Europa-2020-Indikatoren und zeigen den aktuellen Stand der einzelnen Mitgliedstaaten in Form eines Radardiagramms, das den Abstand zwischen den aktuellen Daten und den gesetzten nationalen Zielwerten grafisch darstellt.

Leitindikatoren der Strategie Europa 2020 für die EU

Leitindikatoren der Strategie Europa 2020 für die Europäische Union
© Eurostat


Länderprofil Deutschland

Die Langzeitarbeitslosigkeit, die in Deutschland als nationales Ziel im Bereich Armut und soziale Ausgrenzung eingesetzt wird, ging zwischen 2008 und 2017 um 58,5 Prozent zurück. Das Ziel, die Langzeitarbeitslosigkeit um 20% bis 2020 zu senken, wurde damit deutlich übertroffen. Deutschland hatte bereits 2013 sein Beschäftigungsziel von 77 Prozent erreicht und seine Beschäftigungsquote bis 2017 weiter erhöht. 2017 übertraf Deutschland zudem sein nationales Ziel der tertiären Bildungsabschlüsse um 7 Prozentpunkte, wobei 49 Prozent der 30-bis 34-Jährigen eine Ausbildung nach der Sekundarstufe oder einem Äquivalent absolvierten. Das nationale Ziel Deutschlands unterscheidet sich von dem anderer Mitgliedstaaten, weil es neben den ISCED-Niveaus 5 bis 8 auch eine nicht-Tertiäre Ausbildung (ISCED-Stufe 4) umfasst. Zudem war Deutschland 2017 nur 0,1 Prozentpunkte von der Erreichung seines Ziels für frühe Schul- und Ausbildungsabgänger entfernt. 2016 hat das Land seine nationalen Ziele für die F&E-Ausgaben fast erreicht. Zwischen 2008 und 2016 reduzierte Deutschland den Abstand zu seinen nationalen Zielen auf Primärenergieverbrauch und erneuerbare Energien um mehr als die Hälfte. Eine Lücke von 8,3 Prozentpunkten zu seinem Ziel auf Treibhausgasemissionen in Nicht-ETS-Sektoren hielt sich jedoch 2016.

Strategie 2020: Länderprofil Deutschland 2018
Quelle: Eurostat


Nationale Leitindikatoren der Strategie 2020: Aktuellste Daten und Ziele

Strategie 2020: Länderprofil Deutschland 2018
(1) Geschätzte/vorläufige Daten. (2) Nationales Ziel: weniger als 10%. (3) Indikator und Ziel beziehen sich auf die ISCED-Stufen 4 – 8. (4) Das nationale Ziel unterscheidet sich von dem EU-Gesamtziel "Armutsrisiko oder soziale Ausgrenzung", da es sich auf Langzeitarbeitslose bezieht. Quelle: Eurostat.