Besuch von Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg zur Abschlusstagung der ESF-Projektreihe "Arbeit und Innovation: Kompetenzen stärken und Zukunft gestalten" der IG Metall

Datum
12.02.2019

Gruppenbild
© Bianka Huber (IG Metall)

Die Digitalisierung verändert unser Leben immer mehr, das gilt auch für die Art und Weise, wie wir arbeiten (werden). Die Arbeit wird uns auch in Zukunft nicht ausgehen, sie wird nur anders sein: Berufsprofile, Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen wandeln sich.

Drei zentrale Treiber sind dabei zu beachten:

  1. Die zunehmende Automatisierung. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird demnach jeder vierte Beschäftigte in Deutschland in den kommenden Jahren von Automatisierung betroffen sein und sich entsprechend beruflich verändern müssen.
  2. Wandel in den bestehenden Berufen. Die OECD geht davon aus, dass sich mehr als 35% aller Berufe bis 2030 grundlegend wandeln werden. In der Folge werden Berufsbiografien dynamischer und Übergänge im Erwerbsleben häufiger. Dies werden viele Betriebe vor personal- und weiterbildungspolitische Herausforderungen stellen, die in diesem Ausmaß bisher nicht aufgetreten sind.
  3. Mehr Komplexität in den erforderlichen Qualifikationsprofile: Es geht nicht mehr nur um die Vermittlung von IT- oder Fachkenntnissen. Sozial-kommunikative Kompetenzen sowie die Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken und die Bereitschaft zur Veränderung werden zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Insgesamt kommt das BMAS-Fachkräftemonitoring zu dem Ergebnis, dass in Deutschland bis zum Jahr 2025 bei konservativer Schätzung 1,3 Mio. Arbeitsplätze wegfallen und 2,1 Arbeitsplätze entstehen werden. Für das Jahr 2035 rechnen wir mit einem Plus von 3,3 Mio. und einem Minus von 4 Mio. Arbeitsplätzen.

Entsprechend stellen sich auch immer wieder neue Fragen in der Arbeitsmarktpolitik, denen sich Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg bei der Abschlusstagung der Projektreihe "Arbeit und Innovation: Kompetenzen stärken und Zukunft gestalten" des IG-Metall -Vorstands am 01. Februar 2019 in Frankfurt stellte.

In seinem Einführungsstatement machte er klar, dass der digitale Wandel nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern z.B. auch mit dem demografischen Wandel zusammen gesehen muss. So wird immer deutlicher, dass die Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern immer wichtiger wird, dass aber auch in die Verbesserung des Schutzes der Arbeitslosenversicherung investiert werden muss.

Deutlich stellte er heraus, dass es auch im Interesse der Fachkräftesicherung sei, Qualifikationen durch Fortbildungen zu erneuern und berufliche Aufstiege oder - wenn nötig - auch Umstiege zu ermöglichen. Mit dem Qualifizierungschancengesetz sei auch das Ziel erreichbar, dass Beschäftigte in neuen flexiblen Arbeitsformen besser abgesichert sind und gleichzeitig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber durch Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages entlasten werden. Die Projektreihe "Arbeit und Innovation" sei ein gelungenes Beispiel, wie im Rahmen des Europäischen Sozialfonds für ein aktuelles Thema der Weg bereitet werden kann, und dann im Anschluss durch eine Regelfinanzierung wie das Qualifizierungschancengesetz eine Unterstützung in der Breite erfolgt.

Staatsekretär Schmachtenberg ging in der anschließenden Podiumsdiskussion detailliert auf die ihm gestellten Fragen ein.

Mit der ESF-Richtlinie "Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern" (Sozialpartnerrichtlinie) unterstützt das BMAS die Anstrengungen der Sozialpartner bei der Fachkräftesicherung und Anpassung an den demografischen und technologischen Wandel. Durch den Aufbau von nachhaltigen Weiterbildungsstrukturen und die Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gestärkt und Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhalten und gefördert werden. Von den Maßnahmen sollen insbesondere KMU und Beschäftigtengruppen wie Ältere, Frauen, An- und Ungelernte, zugewanderte Fachkräfte, Menschen mit Migrationshintergrund profitieren, die bislang unterdurchschnittlich an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen.

Das Programm wurde in enger Abstimmung mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) entwickelt und führt die Programme "weiter bilden" und "gleichstellen" aus der Förderperiode 2007-2013 fort. Die Laufzeit endet am 30. Dezember 2022.

Gefördert werden Vorhaben in fünf Handlungsfeldern:

  1. Aufbau von Personalentwicklungsstrukturen
  2. Aufbau von vernetzten Weiterbildungsstrukturen in KMU
  3. Initiierung von Branchendialogen
  4. Stärkung der Handlungskompetenz betrieblicher Akteure zur Förderung der Chancengleichheit
  5. Entwicklung lebensphasenorientierter Arbeitszeitmodelle und Karrierewegplanung

Bislang sind fünf Förderaufrufe umgesetzt worden. Ein Teil der ausgewählten Projekte der vierten Förderrunde befindet sich noch in der Bewilligungsphase.

  • Insgesamt sind über vier Aufrufe 116 Projekte in der Förderung.
  • Im Dezember 2018 hat die Steuerungsgruppe im fünften Förderaufruf 37 weitere Projekte zur Förderung empfohlen.
  • Rund 1.300 KMU und 16.000 teilnehmende Beschäftigte wurden bereits erreicht.
  • Bis Ende der Laufzeit sollen rund 1.800 KMU und 30.000 Beschäftigte erreicht werden.
  • Mit dem fünften Aufruf ist die Budgetlinie ausgeschöpft (bis auf die Leistungsreserve)