JUVENTUS - Move.Change.Work.

Jugendliche berichten aus der Praxis - Grenzüberschreitende Mobilität für "NEETs"

Datum
06.02.2019

"Wenn Du Deine Komfortzone verlässt, können Wunder geschehen", brachte ein junger Teilnehmer aus Katalonien seine Auslandserfahrung, und was danach mit ihm geschah, auf den Punkt.

Publikum
© BMAS

Alle Teilnehmenden des Parlamentarischen Abends am 6. Februar 2019 in Brüssel waren sich einig. Die Programme für transnationale Mobilität für benachteiligte junge Menschen zeichnen sich aus durch hohe Arbeitsmarktintegrationsquoten, die Stärkung des sozialen Europas und ein deutlich verbessertes Image der EU.

Unter dem Motto "JUVENTUS - Move.Change.Work. Strengthening Social Europe through Mobility for NEETs" waren junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sechs EU-Staaten in Brüssel in der Vertretung des Landes Hessen bei der EU zusammengekommen, um mit Europaabgeordneten und Vertretern der Europäischen Kommission über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Junge Teilnehmende auf dem Podium - nationale und regionale Infostände auf dem Marktplatz
"Wir müssen die soziale Dimension Europas stärken", forderte der Schirmherr des Abends, der Europaabgeordnete Thomas Mann. Max Uebe als Vertreter der EU Kommission pflichtete ihm bei, dass benachteiligte junge Menschen in den bisherigen Mobilitätsprogrammen der EU unterrepräsentiert seien. Zuvor hatte der hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten Mark Weinmeister die Veranstaltung mit über 100 Gästen eröffnet und von seiner eigenen prägenden, ersten Auslandserfahrung berichtet. Ein Auslandsaufenthalt könne entscheidend für die persönliche Entwicklung und den weiteren Lebensweg sein, hob er hervor.

Im Zentrum des Abends standen die Berichte und Erfahrung junger Teilnehmender von Projekten aus Deutschland, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien sowie Katalonien. Sie berichteten auf dem Podium und bei dem anschließenden Marktplatz der Möglichkeiten von ihren Auslandsaufenthalten. Was sich bei ihnen persönlich und beruflich verändert hat, über die gewonnene Zuversicht und Perspektive für ihren weiteren Lebensweg. Die teilnehmenden EU-Staaten und Regionen hatten Infostände aufgebaut, an denen die Gäste mit Programmverantwortlichen, Projektpartnern und weiteren jungen Projektteilnehmenden ins Gespräch kommen konnten. Ca 4.400 junge Menschen konnten im Rahmen der ausstellenden Programme von einem Auslandsaufenthalt profitieren.

Beispielhaft in Europa
Neun EU Mitgliedstaaten und Regionen machen mit bei dem transnationalen Mobilitätsprogramm für benachteiligte junge Menschen (Not in Education, Employment or Training - NEETs). Die Koordinierung dieser Programme erfolgt durch das europäische Lernnetzwerk "TLN Mobility" (Transnational Learnnetwork Mobility) unter der Federführung Deutschlands.

Im Rahmen von TLN Mobility arbeiten Deutschland, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien, die spanischen Regionen Andalusien, Galizien, Katalonien und die italienische Region Trento zusammen. Das besondere an den Mobilitätsprogrammen ist eine intensive, mehrmonatige Vorbereitung und Betreuung der jungen Menschen, bevor sie für zwei bis drei Monate für ein betriebliches Praktikum ins Ausland gehen. Nach Rückkehr in ihr Heimatland werden die Teilnehmenden weiter eng begleitet. So erreichen die Mobilitätsprogramme hohe Erfolgsquoten. Teilweise mehr als 60 Prozent der jungen Teilnehmenden sind sechs Monate nach dem Programm in Arbeit, Ausbildung oder besuchen wieder die Schule um einen Abschluss zu machen.

Ein "Soziales Europa" gerade auch für benachteiligte junge Menschen
Austauschprogramme wenden sich meist an vorwiegend junge Menschen mit sehr hoher Bildung und im Rahmen der Jugendbeschäftigungsinitiative sind NEETs deutlich unterrepräsentiert.
Hier ergänzen die Programme der TLN Mobility Partner, indem sie sich gezielt an benachteiligte junge Menschen richten, die Schwierigkeiten haben am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Immer noch sind in der EU ca. 3,4 Mio. junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, dies entspricht aktuell einer Jugendarbeitslosigkeit von 15,2 Prozent.

Trotz der Erfolge der vergangenen Jahre, in denen sich die absolute Zahl junger Arbeitsloser deutlich reduziert hat, ist die Arbeitslosenrate von Jugendlichen europaweit damit immer noch deutlich höher als die der Gesamtbevölkerung. Deshalb muss gerade der Zielgruppe der jungen Menschen, die sich nicht in Beschäftigung, (Schul-)Bildung oder Ausbildung befinden (NEETs) geholfen werden.

Europa "erfahrbar" machen
TLN Mobility und der transnationale Austausch geben der Zielgruppe durch den Auslandsaufenthalt die Chance, Arbeitserfahrung, Praxisbezug und Selbstvertrauen zu sammeln und damit ihre Ausbildungs- und Beschäftigungschancen wesentlich zu verbessern. Die Herausforderung, sich in einem fremden Land behaupten zu müssen, lässt junge Menschen über sich hinauswachsen und löst oft tiefgreifende persönliche Entwicklungsprozesse aus. Nach dem Auslandsaufenthalt präsentieren sich die jungen Menschen oft selbstbewusster, zielstrebiger und offener. Sie sind um wertvolle Erfahrungen reicher und haben häufig ein klareres Bild, wie es mit ihnen weitergehen soll.

Diese positive persönliche Entwicklung im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes ist für viele, gerade regionale Unternehmen, bei der Bewerberauswahl von großer Bedeutung. Viele Arbeitgeber schätzen den Praxisbezug des Auslandsaufenthaltes mit den praktischen Erfahrungen in Betrieben.

Und der Austausch setzt ein klares Zeichen, dass Europa sich für benachteiligte junge Menschen gezielt und grenzüberschreitend einsetzt, Europa also "erfahrbar" macht. Der Auslandsaufenthalt kombiniert mit der Förderung durch die EU lässt die Teilnehmenden besser verstehen, welche Idee und welche Ziele die EU hat. Die Jugendlichen schätzen die EU im Anschluß daran deutlich positiver ein als vorher.

JUVENTUS: Ein schnelles Programm - dank der Vorarbeit durch TLN-Mobility
Basierend auf den positiven Ergebnissen des deutschen ESF Programms "IdA - Integration durch Austausch" aus der Förderperiode 2007-2013 haben sich die Partner des TLN-Netzwerks entschlossen, transnationale Mobilitätsmaßnahmen für Jugendliche und junge Erwachsene im der ESF-Förderperiode 2014-2020 zu unterstützen. Sie haben gemeinsame Qualitätsstandards entwickelt, ihre Programme untereinander abgestimmt und unterstützen ihre Projekte bei der Entsendung, z.B. dabei Kooperationspartner in den Aufnahmestaaten zu finden.

Aufgrund der guten Ergebnisse dieser Mobilitätsmaßnahmen haben die Partner des TLN-Netzwerks den Vorschlag gemacht, ein EU-weites Mobilitätsprogramm für benachteiligte Jugendliche mit dem Arbeitstitel "JUVENTUS" aufzulegen . Damit würde bei den bestehenden Mobilitätsprogrammen, wie z.B. ERASMUS+, das sich an Studierende und Auszubildende wendet, der noch fehlende wichtige Baustein für benachteiligte junge Menschen ergänzt (siehe Schaubild).

EIne Grafik
© BMAS

Bei dem parlamentarischen Abend fand der JUVENTUS-Vorschlag bei den Vertreterinnen und Vertretern von Kommission und Europäischem Parlament einhellige Unterstützung. Es wird jetzt darauf ankommen, diesen Vorschlag noch bekannter zu machen und für weitere Unterstützung bei Mitgliedstaaten, Europaabgeordneten und der Europäischen Kommission zu werben.

Mehr Informationen zu TLN Mobility und JUVENTUS finden Sie hier.