"Nicht von der Stange"

Datum
12.06.2019

"Nicht von der Stange", so lauteten die Erfahrungen der Verantwortlichen aus dem IQ-Netzwerk Berlin in einem Satz. Zugehört haben die Mitglieder des Begleitausschusses, die sich am 12.06.2019 Vorort ein Bild von der Arbeit im IQ-Programm machen wollten.

Die Landesnetzwerke organisieren die Arbeit in der Region eigenverantwortlich, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt die Leitplanken für die alltägliche Arbeit vor. Unter dieser Leitlinie fährt das BMAS die "ESF-Qualifizierungen im Kontext des Anerkennungsgesetzes" (Förderprogramm Netzwerk IQ)". Ziel ist eine optimale Teilnehmerorientierung, denn nur Vorort wissen die Berater, welche Hilfe und Unterstützung die Menschen brauchen, damit ihre ausländischen Berufsabschlüsse und Qualifikationen in Deutschland anerkannt werden.

Frau Alev Deniz, Leiterin des IQ-Landesnetzwerkes Berlin machte deutlich: "Netzwerken ist Alles - Verstetigung muss sein". In einem sehr handfesten Vortrag stellte sie die verschiedenen Handlungsschwerpunkte vor, die alle zwei wesentliche Punkte erfüllen müssen:

  1. Muttersprachler beraten ausländische Ratsuchende und
  2. durch faire und nachhaltige Einwanderung kann Berlin den Fachkräftemangel teilweise kompensieren.

4.240 Erstberatungen in 2018 bei einem Frauenanteil von ca. 55 % sprechen eine deutliche Sprache. Wobei 68 % der Ratsuchenden einen akademischen Abschluss haben, wobei besonders im Bereich Gesundheit, Wirtschaft und Verwaltung sowie Soziales, Pädagogik, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften stark vertreten sind.

Die Vorstellung von Club Dialog e.V. kann am besten zusammengefasst werden mit dem Motto "Den Teufelskreis durchbrechen". Denn Frau Merian machte sehr bildhaft deutlich, dass vor allem Frauen häufig in prekären Arbeitsverhältnissen stehen, häufig keine oder nur wenig Zeit haben Deutsch zu lernen und obwohl so manche mehrfach qualifiziert ist, dennoch nicht in ihrem erlernten Beruf tätig werden.

Frau Faraco vom Verein La Red - Vernetzung und Integration e.V. erklärte die Bedeutung der Sozialen Medien - in ihrem Fall für französisch- und spanischsprechende Ausländerinnen und Ausländer. Umso wichtiger sei eine Art Erstberatung in diesen Medien und eine Vernetzung mit anderen Beratungszentren, um Wissen zu bündeln und zur richtigen Zeit am richtigen Ort für die Ratsuchenden zur Verfügung stehen zu können.

Frau Yildirim vom Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg e.V. betonte die Wichtigkeit von Begleitstrukturen für die Ratsuchenden nach der Erstberatung bis hin zur behördlichen Anerkennung incl. der Bescheiderklärung. Die Anerkennungsberatung sinnvoll fortzusetzen, hierfür bestehende Strukturen nutzen oder verbessern, das war ihr primäres Anliegen.

Frau Dassilova von Babel e.V. und Frau Oiknomidou von VIA - Regionalverband Berlin Brandenburg e.V. stellten ihre Arbeit in Marzahn vor. Ihre Überlegungen stehen unter der Überschrift Migrantinnen und Migranten mitnehmen, unterstützen und ihre Vereine und Vereinigungen einbinden umso praxisnahe Fortbildungsveranstaltungen und Beratungen zusammen mit den Migrationsorganisationen anzubieten.

Die IQ-Präsentation finden Sie hier.

Hintergrundinformationen zum ESF-Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"
19,3 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland. Menschen, die nach abgeschlossener Ausbildung oder Studium und durch ihren Arbeitsplatz nicht nur wichtig für unsere Wirtschaft sind, sondern insbesondere auch wegen der demografischen Entwicklung so auch besser in unsere Gesellschaft integriert werden können.

Aber es ist nicht zu leugnen: Es besteht weiterhin Handlungsbedarf in der Altersgruppe der 25- bis unter 65-Jährigen, denn diese Personen mit Migrationshintergrund sind doppelt so häufig arbeitslos wie Personen ohne Migrationshintergrund. Und sie arbeiten häufiger unter ihrer Qualifikation und sind häufiger ausschließlich geringfügig beschäftigt. Ein Grund hierfür ist das Fehlen von formalen oder in Deutschland anerkannten Qualifikationen, was sich z.B. bei der Personalauswahl negativ auswirken kann. Die gesellschaftliche Öffnung und der Abbau von institutioneller und individueller Diskriminierung sind daher wichtige Aufgaben einer Einwanderungsgesellschaft.

Deswegen hat das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" zwei wesentliche Aufgaben:

  1. mehr Anerkennung von ausländischen Qualifikationen, damit qualifizierte Migrantinnen und Migranten bildungsadäquate Beschäftigungen finden.
  2. Aufbau und Verbesserung der interkulturellen Kompetenzen bei Arbeitsmarktakteurinnen und -akteuren durch Trainings und Beratungen.

Das ESF-Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" arbeitet seit 2005 an der Zielsetzung, die dauerhafte und qualifizierte Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Zielgruppe sind sowohl Erwachsene mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland leben, also auch Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

Von 2015 - 2018 war das Förderprogramm IQ in allen 16 Bundesländern aktiv: mit 488 Praxisprojekten, davon 239 ESF-gefördert, und fünf Fachstellen für die Expertise in den Bereichen Beratung und Qualifizierung, Berufsbezogenes Deutsch, Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung, Migrantenökonomie und Einwanderung sowie mit einer bundesweiten Koordinierung. Im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2018 fanden 194.568 Beratungen zur Anerkennung oder Qualifizierung statt (Folgeberatungen nicht eingerechnet).

Das Programm wird durch das BMAS und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).