"Vom Hallenboden lernen": Transformation gelingt nur gemeinsam!

Ein Pilotprojekt zu flexiblerem Arbeiten in der Produktion

Datum
14.07.2021

Im Rahmen der virtuellen Abschlusstagung des ESF-Projekts „Flexibilität und Vielfalt fördern“ diskutierte Dr. Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, mit den Teilnehmenden über die Herausforderungen der Transformation und der Digitalisierung in den Produktionsbereichen der Automobilindustrie.

Wie gelingen erfolgreiche Veränderungsprozesse? Die Automobilindustrie befindet sich mitten im Umbruch - und damit ist nicht allein die technische Umstellung auf E-Mobilität gemeint. Das Projekt "Flexibilität und Vilefalt fördern" der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF Berlin) in Kooperation mit dem Volkswagen Konzern legt dabei vor allem einen Fokus auf Möglichkeiten des zeit- und ortsflexiblen Arbeitens. Was in der Vergangenheit eher als Gleichstellungsthema betrachtet wurde, wird zunehmend zu einer Frage der ökonomischen Notwendigkeit. Flexibles Arbeiten in Verbindung mit technologischem Fortschritt z.B. durch den größeren Einsatz von Robotik oder Automatisierung kann aber gleichzeitig zu mehr Chancengleichheit und beruflicher Gleichstellung von Frauen und Männern führen. Für die Zukunft gewappnet zu sein und zugleich die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Produktion zu erhöhen, sind für Unternehmen wichtige Ziele.

"Unser Kernanliegen ist es, für alle Beschäftigten - auch im direkten Bereich - attraktive Lösungen zur vereinbarkeitsfreundlichen Arbeitszeitgestaltung zu entwickeln." erklärt Elke Heitmüller, Head - Group Diversity Management der Volkswagen AG. Dabei stehe ein Projekt wie "Flexibilität und Vielfalt fördern für die proaktive Mitgestaltung künftiger Anforderungen.

Bedarfs- und Zukunftsorientiert: Geben und Nehmen

Staatssekretär Dr. Schmachtenberg wies auf die BMAS-Prognose "Digitalisierte Arbeitswelt" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) hin, nach der in den nächsten 20 Jahren rund 3,6 Mio. Arbeitsplätze neu entstehen und zugleich rund 5,3 Mio. Arbeitsplätze im Vergleich zu heute wegfallen (dabei sind die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie bereits mit einbezogen.) Allerdings geschieht der Auf- und Abbau nicht in den selben Branchen. Weiterbildung wird deshalb eine zentrale Rolle spielen, um Kompetenzen der Mitarbeiter*innen anzupassen, zu erweitern und so Fachkräfte zu sichern.

In der Nationalen Weiterbildungsstrategie ist dazu eine Reihe von Maßnahmen festgehalten - darunter auch die voraussichtlich im Januar 2022 erfolgende Neuauflage der ESF-Sozialpartnerrichtlinie. Über einen adäquaten Zugang für alle Beschäftigten zu Weiterbildung und Entwicklungschancen sollen Fachkräfteengpässe vermieden werden. Dazu müssen passgenaue Angebote für den individuellen Kompetenzaufbau gemacht und eine lernförderliche Arbeitsgestaltung im Betrieb gefördert werden.

"Uns als Betriebsrat ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein großes Anliegen, vor allem auch in den Fertigungsbereichen. Im Projekt entstanden in Zusammenarbeit mit unseren Beschäftigten vielversprechende Ansätze. Jetzt gilt es, diese zu erproben und in die Umsetzung zu bringen," betont Susanne Preuk als Mitglied des Volkswagen (Konzern-)Betriebsrates und Vorsitzende des Ausschusses für Chancengleichheit, Gleichstellung und Vereinbarkeit. Dazu müssen alle Beteiligten von der Leitungsebene über den Betriebsrat bis hin zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Fertigung - also den Fachkräften, die ja direkt von der Transformation betroffen sind - aktiv und durch stetigen Dialog mitmachen.

"Gegenseitiges Vertrauen und die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden innerhalb des Teams ist die Basis für die Akzeptanz und ein gelungenes Miteinander - in einem zukunftsorientierten Unternehmen," so Dr. Helga Lukoschat, Vorstandsvorsitzende der EAF Berlin.

Zum Projekt

Das Projekt "Flexibilität und Vielfalt fördern" wird im Rahmen der ESF-Sozialpartnerrichtlinie - Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern vom BMAS und dem ESF gefördert.

  • Laufzeit: August 2018 – Dezember 2020, verlängert bis Juni 2021 (COVID-19)
  • Zwei Pilotphasen:
    ­ Volkswagen Group Components, Kassel: Alternative Antriebe
    ­ Volkswagen AG, Werk Wolfsburg: Lackiererei
  • Rund 127 Teilnehmende seit Beginn des Projekts
  • Projektträgerin: EAF Berlin
  • In Zusammenarbeit mit: Diversity Management, Betreiber, Betriebsrat, Personal- und Gesundheitswesen und Weiteren