Mit einem starken ESF: Faire Integration in den Arbeitsmarkt

Datum
14.09.2026

Wie kann eine faire Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Zukunft besser gelingen? Diese Frage diskutierten Expert*innen und Praktiker*innen auf der Fachtagung "Prekär oder fair?" am 10. September 2026 in Erfurt. Veranstalter waren die Projektverbünde "BLEIBdran+", "RESCUE forward" und "DABEI!" des ESF Plus-Förderprogramms "WIR - Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt".

Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, betonte in einem digitalen Grußwort die weitreichende Bedeutung von Arbeit für Integration: Wer Arbeit habe, orientiere sich in der neuen Heimat, treffe Menschen außerhalb der eigenen Familie und lerne schneller die Sprache. Beschäftigung sei nicht der Endpunkt erfolgreicher Integration, sondern der "Einstieg in den Aufstieg".

Integration in Arbeit müsse selbstverständlich unter fairen Bedingungen stattfinden. Gerade Geflüchtete müssten dabei immer wieder Hürden überwinden, zum Beispiel nicht ausreichende Deutschkenntnisse. Dazu sagte Ministerin Bas: "Ab Oktober dieses Jahres können wir fast das gesamte Angebot der Berufssprachkurse wieder zur Verfügung stellen. Auch Arbeitsverbote erschweren vielen Geflüchteten die Integration. Deshalb haben wir die Dauer von Arbeitsverboten für Asylbewerbende deutlich verkürzt." Faire Arbeitsmarktintegration bedeute auch, so Ministerin Bas, "dass wir die Integration Geflüchteter als Chance für beide Seiten anerkennen. Für Geflüchtete und für unsere Wirtschaft."

Mit Blick auf die Bedeutung des ESF betonte sie: "In Ihren WIR-Projekten und Ihrer Arbeit darüber hinaus gehen Sie gemeinsam mit den Menschen genau diesen Weg einer fairen Arbeitsmarktintegration. Deshalb: Danke, dass Sie innerhalb des WIR-Programms aus Chancen Perspektiven machen.“ Aber, so Bundesministerin Bas, ohne den ESF wäre WIR nicht möglich. "Ihre Erfolge zeigen: Wir alle brauchen einen starken Europäischen Sozialfonds! Auch in Zukunft! Dafür werde ich mich zusammen mit unseren Partnern in Wirtschaft und Soziales mit ganzer Kraft einsetzen."

Die Teilnehmenden der Tagung diskutierten verschiedene Aspekte einer fairen Arbeitsmarktintegration zwischen Fortschritt und Restriktionen. So gingen sie beispielsweise der Frage nach, wie Arbeitsausbeutung von Geflüchteten begegnet werden kann. Hoch aktuell und mit Blick in die Zukunft gewandt, referierten Expertinnen vom NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge (NUIF) und dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, in welchem Umfang Deutschkenntnisse für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration erforderlich seien. Auch gute Beispiele im Umgang mit Unternehmen als Schlüssel erfolgreicher Arbeitsmarktintegration wurden präsentiert, etwa die Etablierung einer Willkommenskultur im Arbeitsleben (Unternehmensinitiative "Vielfalt ist Zukunft") und das Integrationsmanagement in den Elblandkliniken.

Das ESF Plus-Förderprogramm "WIR - Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt"
Das WIR-Programm zielt darauf ab, Geflüchtete über einen längeren Zeitraum hinweg zu begleiten und nachhaltig bei ihrer Teilhabe am Arbeitsmarkt zu unterstützen. Zur Zielgruppe gehören Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis, Personen mit Aufenthaltsgestattung sowie Personen mit einer Duldung, die keinem absoluten Arbeitsverbot unterliegen. Insgesamt arbeiten bisher 40 Projektverbünde in ganz Deutschland an der Erreichung dieser Ziele. In der zweiten Förderrunde wird nun zudem explizit die Qualifizierung Geflüchteter mit einer möglichen Behinderung sowie fluchtspezifischen Folgeerkrankungen in den Fokus genommen. Mehr als 20 weitere Projektverbünde werden hierdurch zusätzlich gefördert.