Projektbesuch: Der Begleitausschuss beim ESF-Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein"

Datum
20.12.2017

"Ich ziehe das durch!" Alloua Grace Ahizi ist eine der starken Frauen, die der ESF-Begleitausschuss beim Projektbesuch kennenlernen durfte. Sie gehört zu den 133 Müttern mit Migrationshintergrund - von Projektleiterin Shilan Fendi liebevoll "MüMis" genannt - die am Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein" des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheitsberufe teilnehmen. Das Projekt unterstützt die Frauen beim Berufseinstieg in der Altenpflege. 83 Mütter konnten bereits eine dreijährige Ausbildung als staatlich anerkannte Altenpflegerin oder eine einjährige Ausbildung als Altenpflegehelferin beginnen.

Arbeiten gehen! Aber wie?

Alloua Grace Ahizi war in ihrer Heimat, der Elfenbeinküste, Frisörin. Auch in Deutschland wollte sie ihr eigenes Geld verdienen, beherrschte die deutsche Sprache aber noch nicht perfekt. "Wo finde ich jemanden, der mir hilft, mein Ziel zu erreichen? Das habe ich mich gefragt, bis ich zum Projekt kam", erzählt sie. Projektleiterin Shilan Fendi half Alloua Grace Ahizi als erstes, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Denn der ist in Deutschland die Voraussetzung für eine Ausbildung in der Altenpflege.

ESF-Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein"
Alloua Grace Ahizi von der Elfenbeinküste (links) und Fatma Turan aus der Türkei (rechts) erzählen, wie sie zum Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein" kamen. Die beiden machen eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin. © Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Zusätzlich können die teilnehmenden Frauen beim Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein" ihr Deutsch verbessern. Denn für die angehenden Altenpflegerinnen ist es wichtig, sich mit den älteren Menschen gut verständigen zu können. Und auch für den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie Ärztinnen und Ärzten sind gute Deutschkenntnisse unverzichtbar. Mit Unterricht in Pflege und Hauswirtschaft ermöglicht das ESF-Projekt den Müttern schon einen kleinen Einblick in die Welt der Altenpflege. Dazu trägt auch das Berufspraktikum bei, das die Frauen in einem Seniorenheim oder bei der mobilen Altenpflege absolvieren. Dabei können die Frauen noch einmal prüfen, ob die Arbeit mit älteren Menschen das Richtige für sie ist. Das Praktikum hat Alloua Grace Ahizi viel Spaß gemacht. Für sie war klar: Sie möchte eine Ausbildung als Altenpfleghelferin beginnen! Mit Hilfe des Projekts hat sie inzwischen einen Ausbildungsplatz gefunden und startet jetzt beruflich durch.

Viele Erfolgsgeschichten

Auch Fatma Turan ließ den Begleitausschuss an ihrer Lebensgeschichte teilhaben. Sie stammt aus der Türkei und durfte nur fünf Jahre zur Schule gehen. Mit ihrer Teilnahme am Projekt erfüllte sie sich endlich ihren Wunsch nach Schulbildung - im Alter von über 40 Jahren. Fatma Turan ist überzeugt: "Wenn andere Frauen sehen, dass wir mit dem "Schulranzen" unterwegs sind, dass wir selbstbewusst und glücklich mit unserer Arbeit sind, merken sie: Ich kann das auch schaffen!"

Projektleiterin Shilan Fendi erhält von ihren MüMis zahlreiche Komplimente. Das ESF-Projekt sei für sie "zur zweiten Heimat" geworden, berichteten die Teilnehmerinnen dem Begleitausschuss. Viele Teilnehmerinnen kommen durch Mund zu Mund-Propaganda und begeisterte Berichte von Teilnehmerinnen zum Projekt. So auch Leila Habasch. Sie flüchtete aus Syrien und gehört damit zu einer neuen Gruppe von Frauen, die das Projekt in die Arbeitswelt begleitet. Auch Leila Habaschs Ziel ist es, in der Altenpflege zu arbeiten. Das ist kein einfacher Weg. Zwei ihrer fünf Kinder sind noch in Nordafrika und Leila Habaschs Gedanken sind oft bei ihnen. Dennoch: "Das Projekt gibt mit Halt. Hier habe ich viele Freundinnen gefunden", erzählt sie.

ESF-Projekt "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein"
Leila Habasch, Fatma Turan, Alloua Grace Ahizi, Rachida Bouchnaq und Maka Jagatashvili (von rechts nach links) bringen viele tolle Potenziale mit. Das sieht auch Herr Thelen vom Seniorenheim Theresienau in Bonn (ganz links) so - und hat schon viele der Frauen eingestellt. © Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Wie sich die MüMis im Beruf machen? Das Seniorenheim Theresienau in Bonn ist ganz begeistert von den wichtigen Kompetenzen für die Arbeit mit den älteren Menschen, die die Mütter mit Migrationshintergrund mitbringen. Sie gehen respektvoll mit den Seniorinnen und Senioren um und arbeiten mit Freude in der Altenpflege. Deswegen stellt das Seniorenheim gerne Praktikums- und Ausbildungsplätze für die MüMis zur Verfügung.

Deutschlandweit Mütter in Arbeit bringen

Etwa eine Million Mütter mit Migrationshintergrund gibt es in Deutschland. Rund 2/3 von ihnen möchten gerne arbeiten. Das Bonner Projekt ist eines von 80 Kontaktstellen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend umgesetzten ESF-Programms "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein", die Mütter auf ihrem Weg in Arbeit begleitet.