Ein Projekt der ESF-Integrationsrichtlinie Bund als Impulsgeber für die Bremische Landespolitik: Das Bremer und Bremerhavener IntegrationsNetz bin

Datum
08.10.2018

Das Projekt berät Asylbewerberinnen und Asylbewerber, Geduldete, anerkannte Flüchtlinge und Flüchtlinge mit humanitären Aufenthaltsstatus - also Vorliegen eines Abschiebungsverbots oder eines Ausreisehindernisses oder bei Feststellung einer außergewöhnlichen Härte - im Übergang von Schule zu Beruf.

Unternehmen, die diese Zielgruppen ausbilden oder beschäftigen möchten, erhalten Beratung in Fragen zu Aufenthalts- und Arbeitsrecht, Möglichkeiten der Sprachförderung, Akquise von Personal mit Fluchthintergrund, Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit sowie weiteren flüchtlingsspezifischen Themen.

Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm ESF-Integrationsrichtlinie Bund, Handlungsschwerpunkt Integration von Asylbewerber/-innen und Flüchtlingen.

Fünf Teilprojekte mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten sind im Integrationsnetz aktiv

Integrationsnetz bin
V.l.n.r.: Jesmmy Gemio, afz/bin-Beratung Bremerhaven. Markus Saxinger, bin-Koordination Bremen. Carsten Baumann, afz/bin-Beratung Bremerhaven. Elisabeth Mahlberg-Wilson, Leiterin Zentrum für Schule und Beruf Bremen. Martina Rothgänger, bin-Koordination Bremen, Martina Otten, afz/bin-Vermittlung Bremerhaven © Arbeitsförderungs-Zentrum im Lande Bremen GmbH, Foto: Nils Heckmann

Koordiniert wird das Netzwerk vom Deutschen Roten Kreuz - Kreisverband Bremen e.V.. Neben der Projektkoordination und Netzwerksteuerung führt das Projekt auch Schulungs- und Informationsveranstaltungen durch, berät Arbeitgebende und Multiplikatoren in arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Fragen, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und vernetzt relevante Akteure zur strukturellen Verbesserung des Zugangs von Flüchtlingen zu Ausbildung und Arbeitswelt.

Das Paritätische Bildungswerk ist die Clearingstelle des Projektverbundes. Die Zielgruppen erhalten hier eine Erstberatung, in der aufenthaltsrechtliche Fragen geklärt sowie berufliche Wünsche und Ziele, vorhandene Qualifikationen und Berufserfahrungen besprochen werden. Darüber hinaus wird eruiert, welche weiteren Angebote im bin-Netzwerk oder bei externen Partnern (Weiterbildungsträger, Ausbildungsbetriebe oder Beratungsstellen) passend wären und die Beratenen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt bestmöglich unterstützen können. Durch die langjährige Arbeit im Spannungsfeld Aufenthaltsrecht und Arbeitsmarktintegration verfügt die Clearingstelle über wichtige Expertise, die inzwischen von zahlreichen Akteuren (wie z.B. dem Case-Management der Jugendhilfe) aktiv nachgefragt wird. Nach erfolgtem Clearing werden die Teilnehmenden in der Regel an das jeweils passende Teilprojekt weitergeleitet.

Für Projektteilnehmende unter 25 Jahren bietet das Teilprojekt der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbH (WaBeQ) Beratung und Einzelfallcoaching. Hier erfolgen Maßnahmen zur Berufsorientierung mit dem Schwerpunkt der Vermittlung in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung bzw. in Maßnahmen zur Herstellung von Ausbildungsreife. Die Maßnahmen erfolgen in enger Kooperation mit der Jugendberufsagentur und den Willkommenslotsinnen und Willkommenslotsen bei den Kammern.

An Projektteilnehmende über 25 Jahren wendet sich das Teilprojekt des Kulturzentrums Lagerhaus Bremen e.V.. Sie erhalten hier eine mehrsprachige Beratung und Vermittlung in Arbeit, Aus- und Weiterbildung sowie Praktika, ggf. eine Weiterleitung in Sprachkurse oder Unterstützung bei der Aufnahme eines Studiums. Ferner bietet das Teilprojekt eine berufsbezogene Kompetenzfindung sowie eine Qualifizierung zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit in medizinischen Berufen an. Das Ziel des Teilprojekts ist eine Beschäftigungsaufnahme, die möglichst den zuvor erlangten Qualifikationen und Arbeitserfahrungen entspricht. In Fällen, in denen dies nicht realisierbar ist oder durch die Teilnehmenden nicht gewünscht wird, findet eine Neuorientierung oder eine Vermittlung in Ausbildung statt. Das Teilprojekt steht in engem Austausch mit den Integrationslotsinnen und Integrationslotsen der Bundesagentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, dem Jobcenter Bremen sowie der Anerkennungsberatung des ebenfalls ESF-geförderten IQ Netzwerks Bremen.

Das Arbeitsförderungszentrum im Lande Bremen GmbH bietet für in Bremerhaven lebende Teilnehmende das gesamte bin-Angebot unter einem Dach an. Hierunter fallen die individuelle Beratung und berufliche Orientierung, Bewerbungsunterstützung, Kontaktaufnahme zu potenziellen Arbeitgebern, Unterstützung bei der Bewertung der im Herkunftsland erworbenen Qualifikationen sowie die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung. Der Träger verfügt als bedeutender Akteur der Arbeitsförderung über eine ausgezeichnete Netzwerkstruktur, so dass auf eine Reihe flankierender Angebote zurückgegriffen und die Eigenkomplexität von Politik und Verwaltung der Seestadt gut überblickt werden kann.

bin als Netzwerk zur Überwindung struktureller Hürden

Das Teilprojekt Koordination unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes - Kreisverband Bremen e.V. übernimmt die Aufgabe, aus den praktischen Erfahrungen in den jeweiligen Teilprojekten strukturelle Hürden der Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete herauszuarbeiten und diese gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu bearbeiten.

Integrationsnetz bin
Die Bremerhavener Stadträtin Dr. Claudia Schilling spricht auf der Projektveranstaltung "Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge" am 08.05.17 in Bremerhaven. © Arbeitsförderungs-Zentrum im Lande Bremen GmbH, Foto: Nils Heckmann

Das bin-Netzwerk hat hierzu eine Reihe von Kooperationsvereinbarungen mit strategischen Partnern geschlossen. Darunter mit der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven, dem HandWERK- Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Bremen, der Bremer Heimstiftung und der Stiftung Egestorff. Beteiligt sind zudem die Bundesagentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, das Jobcenter Bremen, der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen sowie das Aus- und Fortbildungszentrum der Freien Hansestadt Bremen (AFZ). Auch mit dem Case-Management der Jugendhilfe besteht eine Kooperation, ein Kooperationsvertrag mit der zuständigen senatorischen Dienststelle ist in Abstimmung.

Mit diesen Kooperationspartnern bildet das bin-Netzwerk einen zweimal jährlich tagenden Begleitausschuss, zu dem auch weitere für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten relevante Akteure aus Bund, Land, Kommunen, Wirtschaft, Hochschulen und Zivilgesellschaft eingeladen werden.

Aufgrund einer besonderen rechtlichen und sozialen Komplexität erweist sich dieses breit aufgestellte Gremium als erforderlich. Damit die Zielgruppen eine echte Perspektive finden können, bedarf es einer guten Abstimmung zwischen den jeweiligen Instanzen.

Weitere Informationen zum Bremer und Bremerhavener IntegrationsNetz bin finden Sie hier.