Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg besucht Projekte der beiden ESF-Partnerschaftsprogramme

Datum
11.09.2019

Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten und berufliche Entwicklungschancen verbessern - zwei Ansatzpunkte, die der Fachkräftesicherung in fast allen Berufsfeldern dienen. Wie das konkret aussehen kann, ließ sich Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg am 22. August in Sachsen bei zwei Projektbesuchen im Rahmen des Partnerschaftsprogramms "rückenwind - Für die Beschäftigten und Unternehmen in der Sozialwirtschaft" (kurz: rückenwind+) und der ESF-Sozialpartnerrichtlinie - "Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern" erklären.

Einen ganzen Tag reiste der Staatssekretär des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von Berlin aus durch Sachsen, um sich persönlich zunächst in Dresden und im Anschluss in Hoyerswerda von der Herangehensweise der beiden Projektträger und ersten Erfolgen zu überzeugen. "Die Themen demografischer Wandel und Fachkräftemangel werden uns gerade in strukturschwachen Regionen noch länger begleiten", so Schmachtenberg. Eine Unterstützung, um attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, sei deshalb umso notwendiger.

Projektbesuch
Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg beim Besuch des rückenwind+-Projektes "Sozialwirtschaft im digitalen Wandel" in Hoyerswerda © AWO Kreisverband Lausitz e.V.

Frauen als Führungskräfte unterstützen

Dass das Engagement der Projektträger bereits Wirkung zeigt, wurde beim Besuch der "September Werbeagentur" in Dresden deutlich. Das Unternehmen beteiligte sich am Projekt "WoMen - Powerfrauen für Sachsens Wirtschaft" und konnte dank der Unterstützungsangebote eine weibliche Beschäftigte auf ihre künftige Rolle als Führungskraft vorbereiten. "Ziel des Projektes ist es, eine gleichstellungsorientierte Personalentwicklung von Frauen in Sächsischen Unternehmen zu befördern" so Projektleiterin Susann Sindy Schoß von RKW Sachsen. "Häufig veranlasst gerade die drängende Frage der Nachfolgeregelung die Unternehmen, neue Wege zu gehen und Frauen als Führungskräfte in den Blick zu rücken," ergänzt Marit Bartetzko von der Arbeit, Technik und Bildung gGmbH (ATB), Kooperationspartner in der Umsetzung.

Projektbesuch
Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg bei der Firma September Werbeagentur in Dresden, Beteiligte im Projekt "WoMen" © RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung

Ausgehend von der betrieblichen bzw. persönlichen Situation werden im Projekt "WoMen" Maßnahmen zur Personal-/Organisationsentwicklung und Verbesserung der Gleichstellungssituation in den Unternehmen umgesetzt. Das Mentoringprogramm bildet dabei das Herzstück des Angebotes. Für Frau Heinrich-Krüger, Mitarbeiterin der September Werbeagentur, hat sich die Teilnahme am Programm gelohnt, sie hat mittlerweile in die von ihr angestrebte Führungsposition gewechselt. Auch Geschäftsführer Scheiding bestätigt im Gespräch mit dem Staatssekretär: "Das Mentoringprogramm war für uns ein Mehrwert. Mit der neuen Tandemlösung in der Führung werden wir auch den Bedarfen unserer Kunden eher gerecht."

Insgesamt beteiligen sich rund 50 Unternehmen, davon ca. 90 % KMU, am Projekt, das von RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung in Kooperation mit der ATB Arbeit, Technik und Bildung gGmbH durchgeführt und im Rahmen der ESF-Sozialpartnerrichtlinie "Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern" gefördert wird.

Arbeiten 4.0 konkret: Digitale Pflegedokumentation

Arbeitsprozesse verschlanken, Dokumentationszeiten verkürzen, Fortbildungsmöglichkeiten erleichtern - und so den Arbeitsstress von Pflegekräften reduzieren. Das ist ein wesentliches Ziel des "rückenwind+"-Projekts "Sozialwirtschaft im digitalen Wandel". Das 2018 gestartete Verbundprojekt des AWO Kreisverbands Lausitz und der AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH (in Kooperation mit dem AWO Kreisverband Oberlausitz und dem AWO Bezirksverband Potsdam) setzt beim Unternehmenswandel ganz auf die Vorteile für die Beschäftigten. Da sind z. B. die Dokumentationspflichten in der Pflege: Rund zwei Stunden benötige eine Pflegefachkraft der AWO in Hoyerswerda aktuell täglich für die erforderliche Pflegedokumentation. Zeit, die für pflegerische Tätigkeiten fehlt.

20 bis 30 Prozent Zeitersparnis erhofft sich Projektleiter Marcus Beier durch die digitale Akte. Hinzu kommen weitere Vorteile digitaler Anwendungen wie eine automatische Rechtschreibprüfung oder perspektivisch die Möglichkeit, eine Übersetzungsfunktion für Fremdsprachen zu nutzen. "Eine ungeheure Erleichterung für die Kolleginnen und Kollegen im Hinblick auf eine transparente und informative Aktenführung", freute sich Kora Rottgardt, Bereichsleiterin Pflege, die auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Akte beteiligt ist.

Damit die Umstellung auf die digitale Akte später auch von allen Mitarbeitenden bewältigt wird, werden alle zukünftigen Nutzer*innen schon jetzt sukzessive geschult. "Der digitale Wandel ist für einige Pflegekräfte ein großer Schritt", so Beier bei einem Rundgang durch das Haus. Deshalb stehe nicht nur der technische Ausbau der Infrastruktur in den Gebäuden im Mittelpunkt, sondern auch die Begleitung der Beschäftigten. "Ohne eine ESF-Förderung hätten wir das so nicht geschafft", ist sich Geschäftsführer Torsten Ruban-Zeh sicher.

Staatssekretär Schmachtenberg begrüßte vor allem den Ansatz, das Projekt im Verbund mit weiteren AWO Untergliederungen umzusetzen. "Im Sinne von ESF-Modellvorhaben ist es sinnvoll, dass auch andere Träger von den Projekterfahrungen profitieren", so Schmachtenberg.

Die Vorteile, sich mit Partnern zu vernetzen und auszutauschen, sieht auch Marcus Beier. Denn die digitale Pflegedokumentation, die der AWO Kreisverband Lausitz aktuell aufbaut, ist nur ein Schritt von vielen in Richtung Arbeit 4.0. Parallel hat der Kooperationspartner AWO SPI eine gemeinsam nutzbare E-Learning-Plattform aufgesetzt und entwickelt derzeit Fortbildungs- und Prüfungsmodule zu den Themenbereichen Pflege sowie Kinder- und Jugendhilfe. Der Vorteil: Qualifizierungspflichten und -möglichkeiten für Beschäftigte sind so künftig individuell leichter mit der Arbeits- und Lebenssituation vereinbar, Lernrhythmen sind selbstbestimmt. "Perspektivisch werden wir die Lernplattform auch bei uns einsetzen können. Wir profitieren dann von der Erprobungsphase, die bereits abgeschlossen sein wird", so Beier.

Staatssekretär Schmachtenberg zeigte sich beeindruckt von dem Engagement und den vorhandenen Kompetenzen in beiden Projekten. "Sie haben in kurzer Zeit eine Menge bewegt." Für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Beschäftigten und die Sicherung des Fachkräftebedarfs eine gute Nachricht.

Die "ESF-Sozialpartnerrichtlinie - Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern" ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie ist das Nachfolgeprogramm der beiden Programme "weiter bilden" und "Gleichstellen" aus der ESF-Förderperiode 2007-2013.

Ziel der Richtlinie ist es, die Sozialpartner und betrieblichen Akteure bei der Fachkräftesicherung und Anpassung an den demografischen Wandel zu unterstützen. Mit den geförderten Maßnahmen soll ein Beitrag zur Verankerung systematischer Weiterbildung in Unternehmen, Organisationen und Branchen geleistet sowie die Chancengleichheit in den Unternehmen vorangebracht werden. Hierzu werden die Anstrengungen der Sozialpartner unterstützt. Die entsprechenden Richtlinien werden in enger Abstimmung mit den Partnern entwickelt und umgesetzt. Voraussetzung für die Förderung sind Qualifizierungstarifverträge oder Vereinbarungen der Sozialpartner zur Qualifizierung bzw. Chancengleichheit.

Das ESF-Programm "rückenwind - Für die Beschäftigten und Unternehmen in der Sozialwirtschaft" (kurz: "rückenwind+") ist ein im Jahr 2015 gestartetes Förderprogramm zur Fachkräftesicherung in sozialen Berufsfeldern. Ansatzpunkt ist die Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen und Verbänden der gemeinnützigen Sozialwirtschaft. Ziel der Förderung ist die Verbesserung der Anpassungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft in Verbindung mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Organisationsstrukturen in den Einrichtungen, Diensten und Verbänden. Das Förderprogramm wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. (BAGFW) entwickelt. Gefördert wird es aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Bundesmitteln.