"Die Welle machen - Wasser und Strom" im "mach Grün!-Sommercamp"

Datum
15.09.2020

"Die Welle machen - Wasser und Strom" im "mach Grün!-Sommercamp" vom 3. bis 6. August 2020 im Naturfreundehaus "Käte Strobel" in Oberrengse. "In echt und in Farbe" fand das "mach Grün!-Workcamp" aus dem ESF-Bundesprogramm "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf (BBNE)" in der Nähe der Aggertalsperre im Oberbergischen statt. 16 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren kamen, um zu arbeiten und natürlich auch Ihren Ferienspaß zu erleben.

"Die Arbeitswelt rund ums Wasser und um Erneuerbare Energien hält viele Berufe bereit, die es im Umfeld der Aggertalsperre zu erkunden gilt", so begründet Leni Mauelshagen von der VSB gGmbH, die das Projekt realisiert, das Campkonzept: Ein Mix aus handwerklichen und mediengestalterischen Aufgaben, aus Wandererlebnis und Berufe-Rallye, aus Exkursionen und Lagerfeuerbesuchen in der Natur.

Zu diesem Zweck hatte Carolin Gordner aus dem "Kompetenznetzwerk für Bioenergie, Energieeffizienz und erneuerbare Energien, sowie Holznutzung im Bergischen Land" (ZebiO e.V.), einem weiteren Projekt-Partner, Expert*innen eingeladen, die ihre Berufsfelder vorstellten - natürlich mit genügend Abstand unter freiem Himmel.

Mehrere Personen an einem Tisch

"Wasser ist ein Menschenrecht" steht auf Paul Kröfges T-Shirt. Mit seiner gut gelaunten Art weckte er schnell das Interesse der Jugendlichen. Der ehemalige Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW zeigte anschaulich Belastungen für Gewässer auf. Zu diesem Zweck hatte er in einem Becken Wasser und Flusskiesel aus der Agger mitgebracht, die die Jugendlichen mit Becherlupen auf Besiedelung mit kleinen Lebewesen untersuchen konnten. Stromgewinnung aus Fließwasser-Kraftwerken sei zumindest dann problematisch, so Kröfges, wenn für eine geringe Stromausbeute Wanderfische am Durchkommen gehindert werden und zugrunde gehen.

Für den Rundumschlag in Sachen Ausbildungsberufe im Bereich der Erneuerbaren Energien sorgte Hildegard Boisserée von "Energiejobs.NRW". Sie brachte vier Stationen zum Ausprobieren mit: Strom- oder Wärmegewinnung aus Wasser, Wind, Sonne und aus der Erde, und bestärkte die Jugendlichen darin, sich für diesen Tätigkeitsbereich schon in der Ausbildung zu interessieren.

Energieberater Adrian Wieland von der "Gipscomm Energie" besuchte die Gruppe nach Feierabend am Lagerfeuer. Zu hören, wie er vom gelernten Stuckateur zu seiner Arbeit als Energieberater gekommen ist, war ein guter Denkanstoß für all jene, die zuerst eine handwerkliche Ausbildung machen und später "mehr" wollen.

Bau eines Bienenhotels

Mehrere Personen stellen ein Bienenhaus auf

Aber es wurde nicht nur gelehrt, gelernt und diskutiert, es ging auch ans "Eingemachte": Für die Wildbienen in der Umgebung des Naturfreundeshauses bauten die Teilnehmer*innen ein Bienenhotel - eine Aufgabe, die zusammen mit Bettina Bödefeld vom Projekt PROINSEKT und mit Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie angegangen wurde. Laura, Turky, Paula und Mirko schleppten Balken und Bretter, nahmen Sägen und Akku-Schrauber zur Hand und zimmerten unter der Anleitung von Michael Thielen (VSB gGmbH) ein 1,70 m x 1,30 m x 0,50 m großes Holzgestell. Elise und Doreen widmeten sich den Holzabschnitten aus Eiche und Pflaumenbaum, in die sie mit Akkubohrern Brutlöcher für Wildbienen bohrten. Für die Füllung nahmen sich Marinela, Mirco und Yola jeden Riedhalm einzeln vor, kürzten ihn mit der Gartenschere und Katharina befestigte später die Halme in den einzelnen Fächern mit Lehm. Es brauchte die Kräfte aller Workcamper, das schwer gewordene Bienenhotel zu seinem Bestimmungsort auf der zukünftigen Streuobstwiese zu tragen und einzugraben.

Neil, Christina, Medina und Nina tüftelten unter Anleitung von Marie Brück (VSB gGmbH) an der Story eines Filmclips für die #futurework-Challenge des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema "Zukunftsberufe". Neil als "Fotograf der Lüfte" machte dabei mit seiner Drohne wertvolle Aufnahmen, die alle zusammen am PC bearbeiteten. Inspirationsquelle war der riesige Rotorflügel einer Windkraftanlage, der 2 km vom Naturfreundehaus entfernt am Wegesrand im Gras lag. Ein ideales Filmset, entdeckt auf der kleinen Wanderung zum Holzheizkraftwerk der Genossenschaft Lieberhausen. Sogenanntes Käferholz und Holzabfälle, die der Revierförster Bernd Rosenbauer vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW zurzeit in Hülle und Fülle geliefert bekommt, sind für das Bioenergiedorf Lieberhausen die einzige und dazu CO2-neutrale Wärmequelle.

Eine Geschicklichkeitsrallye an der Aggertalsperre

Damit nicht genug. Am nächsten Tag machte sich bei fast 30 Grad Celsius die gesamte Gruppe auf, den "Energieweg" abzuwandern. Immer bergab zum Ufer der Aggertalsperre, in deren blauem Wasser man sich zu gern abgekühlt hätte. Die Teilnehmer*innen mussten sich jedoch noch etwas gedulden, da unterhalb der riesigen Sperrmauer zunächst eine Rallye zusammen mit "AggerEnergie", dem regionalen Stromversorger, stattfand. In Zweierteams stellten sich die Jugendlichen den Geschicklichkeitsaufgaben und Vorträgen der AggerEnergie-Mitarbeiter*innen und Azubis zu E-Mobilität, zur Wasserkraftnutzung, zum Verschweißen von Wasserrohren und zu den vielen verschiedenen Ausbildungsberufen im Unternehmen. Am Ende wurden die Mühen mit "energiegeladenen" Preisen belohnt und bei den Naturfreunden wurde das hauseigene Schwimmbad gestürmt.

Jugendliche bei einer Geschicklichkeitsaufgabe

Wer vor dem Workcamp noch keine Vorstellung davon hatte, wie vielfältig das Spektrum der Berufe rund um das Thema Wasser und Erneuerbare Energien in Verbindung mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist, und was Berufstätige in diesem "weiten Feld" überhaupt arbeiten, hatte nach dem Camp einiges erfahren, viel Spaß in der freien Natur erlebt, mit Werkzeug und Maschinen hantiert, Kontakte für Praktika geknüpft und den Wildbienen rund ums Naturfreundehaus ein massives Bienenhotel beschert. Ob der im Workcamp gedrehte Filmclip für die #futurework-Challenge angenommen und vielleicht sogar prämiert wird, muss abgewartet werden.

Das Projekt "mach Grün!" wird im Rahmen des ESF-Bundesprogramms "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf (BBNE)" gefördert. Wer im beruflichen Alltag im Sinne nachhaltiger Entwicklung handeln möchte, braucht entsprechende Kompetenzen, Fertigkeiten und Wissen. Für dieses "Greening" der Berufe beziehungsweise der Arbeitswelt sensibilisiert das Programm BBNE. Hierzu stellt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Gelder für Projekte bis 2022 bereit, die zeigen, wie nachhaltiges Handeln im beruflichen Alltag möglich ist.

Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Blick für die Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung schärfen und so zu konkretem klima- und ressourcenschonendem Handeln im beruflichen Alltag befähigen. Sie sollen zudem Gestaltungskompetenzen im Sinne des Kompetenzkanons Bildung für Nachhaltige Entwicklung über geeignete Inhalte, Konzeption und Methodenauswahl vermitteln.

Bis 2019 haben rund 4.900 Personen an den Projekten teilgenommen.

Auszug aus dem ESF-Newsletter