Digitalisierung der Arbeitswelt alltagstagstauglich und nutzerorientiert gestalten

Datum
25.03.2021

Die "rückenwind+"-Projekte "#Kreisverband reloaded" und "DigiPal" des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuz e.V. unterstützen die Entwicklung von Kompetenzen und Strukturen, um Fachkräfte und Mitarbeitende zu halten sowie neu zu gewinnen und um passgenaue Ansätze zur Digitalisierung zu entwickeln.

"Um in der Digitalisierung voranzukommen, sind Raum und Zeit für die Strategieentwicklung und -umsetzung erforderlich", erläutert Anja Müller, Leiterin des "rückenwind+"-Projekts "#Kreisverband reloaded - Das DRK auf dem Weg in die digitale Arbeitswelt" des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuz e.V. "In der digitalen Arbeitswelt von heute und morgen geht es neben der Strategie auch um Kultur, Kommunikation und Transparenz sowie Austausch - wer das im Blick hat, ist klar im Vorteil."

Mit dieser Zielsetzung führte das 2019 gestartete und im Team "Gesellschaftliche Trends und Innovationen" angesiedelte Projekt für 14 DRK-Kreisverbände die "Strategietage zur Digitalisierung" durch (s. Beitrag "Digitalisierung ist kein Schnupfen"). Insgesamt rund 240 Teilnehmende erarbeiteten in drei Kick-Off-Veranstaltungen, 42 individuellen Workshops, drei Nachbereitungstreffen (sogenannte Wrap-Ups) und weiteren Formaten Ansätze, um ihre Digitalisierungsprozesse weiter auf- und auszubauen. Eine Projektplattform sowie die regional aufgeteilten Kick-Off- und Wrap-Up-Veranstaltungen unterstützten zudem den kreisverbandsübergreifenden Austausch. Durch die Überführung von ursprünglich in Präsenz geplanten Veranstaltungen in online-gestützte Formate wurde das gemeinsame fach- und hierarchieübergreifende Arbeiten auch unter den Corona-bedingten Einschränkungen fortgesetzt.

Mehrere Personen an einem Besprechungstisch
Austausch im Workshop zum Thema Digitalisierung (vor der Corona-Pandemie) © DRK e.V.

Die Ermittlung von Bedarfen, die Formulierung von Visionen und der Austausch von bereits erprobten innovativen Ideen waren in den Veranstaltungen zentral. "Als besonders wertvoll haben die Teilnehmer*innen unserer Strategietage den gezielten bereichsübergreifenden Austausch und die Praxistipps von Kreisverbänden für Kreisverbände empfunden", meint Anja Müller, "hier konnten sie ganz anschaulich und direkt von den Erfahrungen ihrer Kolleg*innen lernen".

Als Beispiele lassen sich anführen: eine niedrigschwellige, wirkungsvolle Kommunikations-App, die im Rahmen eines innovativen Projekts zur Digitalisierung des Betreuungsalltags der Bewohnerinnen und Bewohner des DRK-Pflegezentrums Solferino in Essen entwickelt wurde, oder der Instagram-Account der Wärmestube Kempten im Kreisverband Oberallgäu.

Weitere Aktivitäten, Ideen und Umsetzungen wurden geteilt, wie beispielsweise Kita-Apps, YouTube-Auftritte, digitale Personalakten, Kassenbücher und Pflegedokumentationen, digitales Wissens- und Kommunikationsmanagement sowie Dokumentenmanagementsysteme. Projektleiterin Müller dazu: "Ein wichtiges Fazit aus unseren Veranstaltungen war es, dass es den DRK-Kreisverbänden darum geht, Digitalisierung zur Verbesserung des Arbeitens alltagstauglich zu gestalten und angebotene Dienste der Kreisverbände nutzungsorientiert zu verbessern. Die Teilnehmenden sehen genau hin, was sie wirklich brauchen und was zu ihrem Verband passt."

Zur besseren Einschätzung des individuellen Standes der Digitalisierung entwickelte das "rückenwind+"-Projekt zudem in Kooperation mit den DRK-Kompetenzzentren Digitalisierung den "DRK Digital-Check". Auf Basis der Beschäftigung mit Fragen in den fünf Kategorien "Strategie", "Personal & Führung", "Arbeitsweise", "Kernarbeitsfelder" und "IT" wird eine Einstufung hinsichtlich des digitalen Reifegrades ermittelt und mit Tipps und Denkanstößen für weitere Schritte verbunden.

Symbole
Die fünf Bereiche des DRK Digital-Checks © DRK e.V.

Anja Müller bleibt Projektleiterin des nach dreijähriger Laufzeit im April 2021 endenden "rückenwind+"-Projekts "Professionalisierung und Digitalisierung der Personalarbeit in sozialwirtschaftlichen Organisationen (DigiPal)". "DigiPal" richtet sich ebenfalls an DRK-Kreisverbände und darüber hinaus an DRK-Landesverbände - zunächst in den fünf ostdeutschen Bundesländern. Adressat*innen sind die Geschäftsführer*innen der Landesverbände, Personalsachbearbeitende der Kreisverbände sowie Führungskräfte der operativen Einheiten.

"Ein Schwerpunkt in diesem Projekt ist das Thema Arbeitgeberattraktivität", erläutert Anja Müller, "denn in vielen Regionen und Berufsgruppen ist der demografisch bedingte Fachkräftemangel deutlich bemerkbar." Projektreferentin Simone Oske ergänzt: "Mit dem "rückenwind+"-Projekt "DigiPal" bieten wir DRK-Kreisverbänden Workshops und externe Beratung. Wir unterstützen sie darin, Ansätze zeitgemäßer Organisations- und Kommunikationsstrukturen zu entwickeln und herauszufinden, wie diese zu einer positiven Employee Experience zum Employer Branding (s.u. Glossar) beitragen. Dabei thematisieren wir auch Chancen, Potenziale und Herausforderungen im Kontext von "Digitalisierung und Arbeit 4.0". Insbesondere bieten agile Strukturen viel Raum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten."

Das digitale Zeitalter stellt kontinuierlich hohe Anforderungen an Strukturen und Menschen und deren Wandlungsbereitschaft. Sich entsprechend diesen Anforderungen nachhaltig zu entwickeln, ist eine Herausforderung an alle - die Gliederungen des DRK packen es an und sind auf einem guten Weg.

Das ESF-Programm "rückenwind - Für die Beschäftigten und Unternehmen in der Sozialwirtschaft" ("rückenwind+")

"rückenwind+" ist ein im Jahr 2015 gestartetes Förderprogramm zur Fachkräftesicherung in sozialen Berufsfeldern. Ansatzpunkt ist die Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen und Verbänden der gemeinnützigen Sozialwirtschaft. Ziel der Förderung ist die Verbesserung der Anpassungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft in Verbindung mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Organisationsstrukturen in den Einrichtungen, Diensten und Verbänden. Das Förderprogramm wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der BAGFW entwickelt. Gefördert wird es aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Bundesmitteln.

Weitere Informationen zum Programm "rückenwind+" finden Sie auf dem ESF-Webportal, auf der Programmwebsite sowie auf Twitter.

Kontakt: regiestelle@bag-wohlfahrt.de

Glossar:

Employer Branding beschreibt das strategische Vorgehen zur Entwicklung einer authentischen und attraktiven Arbeitgebermarke u.a. mit dem Ziel, die Passung von Bewerber*innen zu verbessern und die Stellenbesetzung zu beschleunigen, die Bindung der bestehenden Belegschaft zu steigern sowie die Unternehmenskultur und gemeinsame Werte zu verankern und dadurch zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden beizutragen.

Employee Experience konzentriert sich auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden und beschreibt deren Wahrnehmung eines Arbeitgebenden einer Organisation. Es umfasst die Summe aller Erfahrungen, die ein*e Mitarbeiter*in mit dem Unternehmen sammelt. Ziel einer Employee-Experience-Strategie ist es daher, durch das Schaffen eines motivierenden und positiven Arbeitsumfeldes die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen und Fachkräfte zu binden.

Auszug aus dem ESF-Newsletter