WissProKMU - Zukunft der Arbeit: Gestalten und Vernetzen

Datum
25.03.2021

Das wissenschaftliche Begleitprojekt "WissProKMU" untersucht, unterstützt und vernetzt 26 Verbundvorhaben aus dem ESF-geförderten Programm "Zukunft der Arbeit: Mittelstand - Innovativ und sozial". Um die Effizienz der Verbundprojekte zu steigern, unterstützt "WissProKMU" bei der Identifikation von Synergien zwischen Projekten und der Durchführung gemeinsamer Aktivitäten.

Hierzu werden Foren angeboten, die dem Austausch zwischen den Projektkoordinatoren sowie der Außendarstellung der Verbundvorhaben dienen. Schließlich fasst "WissProKMU!" die Ergebnisse der 26 Verbundforschungsprojekte systematisch zusammen, um übergeordnete Aussagen zur Zukunft der Arbeit in KMU zu ermöglichen.
Zwei dieser Verbundprojekte sollen hier kurz vorgestellt werden.

Das Verbundprojekt "LUTZ"

Das Verbundprojekt "LUTZ" (LernUmgebung für transformationale Führungsarbeit der Zukunft) verfolgt die Entwicklung einer digitalen Lernumgebung im Gesundheitswesen, in der Stationsleiter, Ärzte und Praxismanager gute Führung trainieren. Die Anforderungen an Führungskräfte sind im Gesundheitswesen besonders komplex und widersprüchlich. Zugleich ist Führung in der Fachausbildung selten Thema. Weiterbildungen leisten kaum Abhilfe, da sie die Besonderheiten der Führung im Gesundheitswesen zu wenig berücksichtigen.

Hier setzt das eLearning Programm von "LUTZ" an. In lebensnahen Simulationen üben die Führungskräfte, wie sie schwierige Entscheidungen treffen und umsetzen. Das ist nicht nur risikofrei für Patient*innen und Mitarbeitende, Nähe zur Realität und Spaß am Spiel machen außerdem hohe Lerneffekte möglich.

Anders als bei der herkömmlichen Führung im Sinne von "Wenn Du gut mitarbeitest, zeige ich Dir meine Anerkennung und Wertschätzung" sollen die Führungskräfte des Gesundheitswesens mit dem eLearning Programm LUTZ trainiert werden, mit ihrer Führungsarbeit zukunftsfähige Veränderungen - also Transformationen - anzustoßen. Dies kann gelingen, indem Führungskräfte ihr Augenmerk nicht auf extrinsische Motivation (durch einen äußeren (An-)Reiz) legen, sondern auf intrinsische (aus sich selbst entstehende). Ihre Aufgabe besteht somit vielmehr darin, die Mitarbeitenden zu gemeinsamen Zielen und Werten zu inspirieren. Eine solche Führung wird als transformationale Führung bezeichnet.

Für den Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft 2021 verfasste das Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen University (IAW) einen Beitrag zum Verbundprojekt "LUTZ". Ausgehend von Interviewstudien beschreibt dieser Anforderungen an aufgaben- und beziehungsorientierte Führungstätigkeiten bei virtuellen Teams.

Auf der HCI International Conference 2021 wird ein von Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF), EUMEDIAS AG und IAW verfasstes Paper präsentiert, welches erste Ergebnisse aus der Anforderungsanalyse zur Führung im Gesundheitswesen vorstellt.

Das Verbundprojekt "aSTAR"

Das Verbundforschungsprojekt "aSTAR" beschäftigt sich mit der Kompetenzvermittlung in einer VR/AR-basierten Umgebung (VR=Virtual Reality, AR=Augmented Reality) zur Arbeitsgestaltung. Dies geschieht am konkreten Beispiel einer Kranmontage und -Instandhaltung.

Die Wartungsarbeiten auf und an einem Kran verlangen Schwindelfreiheit, Geschick und starke Nerven. Die Person, die dort oben arbeitet, ist aber in der Regel nicht die, die einen Kran entwirft. So werden bei der Konstruktion Details für die Wartung oftmals nicht im Vorhinein eingeplant. Mit digitalen Technologien wie der virtuellen Realität (VR) lässt sich die Erfahrung der Kranwartung im dreidimensionalen Raum visuell und interaktiv erleben, ohne dass man sich dafür selbst in schwindelerregende Höhen begeben muss.

Zwei Personen in einem Büro
Ein Mitarbeiter der VETTER Krantechnik in der virtuellen Realität beim Kranaufbau © VETTER Krantechnik GmbH

Der Projektkoordinator Andreas Weigel berichtet: "Der Kranmontageprozess ist nun in der virtuellen Realität von der Verankerung im Boden über die Montage der Kransäule bis hin zur Benutzung des vollständigen Krans möglich. Für die Umgebung stehen mittlerweile zwei Alternativen zur Verfügung - eine Industriehalle und eine Hafenumgebung." Gerade sind die Konsortialpartner des Forschungsprojektes dabei, den VR-Demonstrator (die entwickelte Software) für den Kranmontageprozess im sogenannten Multi-User-Modus zu testen und zu evaluieren.
In diesem Modus können aktuell zwei Probanden einen Schwenkkran in der VR gemeinsam montieren. Sie sind über das VR-Head-Mounted-Display miteinander verbunden und können sich, wie unter nicht virtuellen Umständen, austauschen und miteinander kommunizieren. In der VR können die Probanden sich gegenseitig als virtuelle Avatare wahrnehmen, sodass es ihnen zu jeder Zeit möglich ist, die Position und Aktivitäten des jeweils anderen visuell nachzuvollziehen.
Bei diesem Vorgehen werden bewusst Personen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen (Servicetechniker, Konstrukteur etc.) mit dem virtuellen Kranmontageprozess konfrontiert, um Planungsfehler von Anfang an zu vermeiden.
Im Anschluss an die VR Erfahrung wurden die Probanden interviewt, um die Eindrücke und Verbesserungspotenziale zu erfassen. Im Frühsommer soll dann eine weitere Evaluation erfolgen, um die Forschung und die Erkenntnisse aus der VR Erfahrung weiter zu validieren.

Eine Illustration
Montageort: virtuelle Hafenumgebung © VETTER Krantechnik GmbH

Das Programm "Zukunft der Arbeit"

Die Projekte "WissProKMU", "LUTZ" und "aSTAR" werden im Rahmen des Programms "Zukunft der Arbeit" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Das Programm greift die Herausforderungen auf, die für Unternehmen (insbesondere KMU) und Menschen durch Strukturwandel, Technisierung und zunehmende Globalisierung in der Arbeitswelt entstehen, und lädt Unternehmen und Forschungseinrichtungen ein, mit innovativen Forschungsprojekten aktiv die Zukunft unserer Arbeitswelt mitzugestalten. Ziel des Programms ist es, technologische und soziale Innovationen gleichermaßen voranzubringen. Dazu sollen neue Modelle der Qualifizierung, der Gesundheitsprävention, der Arbeitsgestaltung und -organisation in und mit Unternehmen entwickelt und als Pilotprojekte in die betriebliche Praxis überführt werden. Dabei liegt der Fokus besonders auf branchenübergreifenden und interdisziplinären Projekten.

Weiterführende Informationen zum Programm "Zukunft der Arbeit" finden Sie auf dem ESF-Webportal sowie auf der Programmwebsite des BMBF.

Auszug aus dem ESF-Newsletter