Zukunftszentren unterstützen kleine und mittlere Unternehmen bei der digitalen Transformation

Datum
24.01.2024

Im Zuge der Eröffnung der 1. Arbeitspolitischen Jahrestagung des ESF Plus-Förderprogramms "Zukunftszentren" im Dezember 2023 hob Bundesminister Hubertus Heil die Bedeutung des Programms in Zeiten großer Veränderungen der Arbeitswelt hervor. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssten im digitalen, demografischen und ökologischen Wandel unterstützt werden. Die Veranstaltung mit knapp 500 Teilnehmenden stand unter dem Motto "Fit für den Wandel: Mit digitalen und KI-Anwendungen dem Fachkräftemangel begegnen".

Nach fast einem Jahr erfolgreicher Laufzeit zogen alle zwölf Regionalen Zukunftszentren, das Haus der Selbständigen sowie das koordinierende "Zentrum Zukunft der Arbeitswelt" mit Vertreter*innen von KMU sowie Interessierten aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft ein erstes Resümee und stellten gelungene und inspirierende Beispiele von Unternehmen vor. Im Mittelpunkt standen vor allem diejenigen Projekterfolge, die zur Fachkräftesicherung bzw. -bindung in KMU und damit zu einer Anpassung an den Wandel der Arbeitswelt beitragen.

Bundesminister Heil betonte: "Die Arbeit der Zukunftszentren zeigt, wie wichtig es ist, kleine und mittlere Unternehmen in den großen Veränderungsprozessen der Arbeitswelt zu unterstützen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die heute ihre Erfolgserlebnisse mit uns teilen, haben bewiesen, dass digitale und KI-Anwendungen Betriebe nicht nur wettbewerbsfähiger machen, sondern auch ihren Beschäftigten einen Mehrwert bringen. Ihre gute Praxis zeigt, dass im digitalen, technologischen und ökologischen Wandel neue Gestaltungsräume für alle entstehen."

Bundesminister Hubertus Heil
Bundesminister Hubertus Heil würdigte anlässlich der Arbeitspolitischen Jahrestagung die Aktivitäten des ESF Plus-Förderprogramms "Zukunftszentren". © BMAS

Tenor der anschließenden Diskussionsrunden mit Unternehmer*innen war, dass Digitalisierung und KI oft eine Arbeitserleichterung sind. Veranschaulicht wurde dies am Beispiel der Bio Bäckerei Fischer, einem Familienunternehmen in achter Generation. Die Firmeninhaberin Gerhild Fischer berichtete darüber, wie der Arbeitsalltag in ihrem Unternehmen durch die Einführung einer Bestell-App erleichtert werden konnte. Die Diskutant*innen waren sich darüber hinaus einig, dass KI-Anwendungen die Betriebe nicht nur wettbewerbsfähiger machen, sondern ihren Beschäftigten auch einen Mehrwert bringen sollten.

Andererseits helfe KI nicht in jedem Fall, wie Markus Schrieder von der Evangelischen Altenhilfepflege Sankt Georgen gGmbH erklärte: Denn wenn zwei Pflegekräfte plötzlich erkrankten, könne der Mangel an Arbeitskraft auch nicht alleinig durch KI-Anwendungen ersetzt werden. Das sah das Publikum ähnlich: Die Frage des Moderators Martin Hoffmann, ob der Einsatz von KI allein den Fachkräftemangel in den Betrieben beheben könnte, beantwortete der überwiegende Teil des Publikums mit "nein".

Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Soziologin und Expertin für das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation sowie Mitglied im Rat der Arbeitswelt betonte in ihrem Beitrag, dass die Beschäftigten gegenüber der Einführung von digitalen Prozessen und neuen KI-Anwendungen meist grundsätzlich aufgeschlossen seien. In den Forschungsergebnissen zeige sich, dass Unternehmen und deren Beschäftigten sich schon lange an die steten Veränderungen und Anpassungen gewöhnt hätten. Sie betonte jedoch, dass es wichtig sei, alle Beteiligten frühzeitig einzubeziehen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden in fünf Workshops verschiedene Themen erörtert - vom Planspiel zur Digitalisierung in der Pflege bis hin zur "richtigen Kommunikation des Wandels" gab es ein breites Spektrum.

Bereits seit 2019 unterstützen die "Zukunftszentren" mit Hilfe des ESF Unternehmen in den vielschichtigen Veränderungsprozessen der Arbeitswelt. Seit Beginn des Jahres 2023 erfolgt die Unterstützung in einer gesamtdeutschen Förderstruktur. Bundesweit beraten die ESF Plus-Projekte KMU kostenfrei zu den digitalen, demografischen oder ökologischen Wandel getriebene Transformationsfragen. Überdies entwickeln und erproben sie innovative Qualifizierungsangebote unmittelbar in der betrieblichen Praxis - branchenoffen von der Pflege bis zum Handwerk. Die Einführung von digitalen oder KI-Prozessen im Unternehmen erfolgt gemeinsam mit den Beschäftigten. Dieses Vorgehen kann Fachkräftelücken auffangen und Arbeitsbedingungen optimieren. Auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der sozialen Sicherung von Solo-Selbstständigen und Plattformbeschäftigten hat das Förderprogramm im Blick. Das "Zentrum Zukunft der Arbeitswelt" fungiert bundesweit als koordinierendes Zentrum und bildet die Austauschplattform sowie den Transferkanal für alle Akteure des Programms.

Das ESF Plus-Programm "Zukunftszentren - Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen und Beschäftigten bei der (Weiter-)Entwicklung und Umsetzung innovativer Gestaltungansätze zur Bewältigung der digitalen Transformation" (kurz: "Zukunftszentren")

Mit dem Programm "Zukunftszentren" unterstützen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) Unternehmen, insbesondere KMU, und Beschäftigte gezielt dabei, die großen Veränderungsprozesse, die sich beispielsweise aus der Entwicklung Künstlicher Intelligenz oder anderen Technologien ergeben, zu bewältigen und vor allem sozial zu gestalten.

Im Wesentlichen richtet sich das Programm an drei Zielgruppen: an Unternehmen, insbesondere KMU, an ihre Beschäftigten sowie an Selbstständige, insbesondere Solo-Selbstständige. Es zielt darauf ab, die Selbstlern- und Gestaltungskompetenz der drei Zielgruppen in den Transformationsprozessen zu fördern und ihre Leistungs- und Innovationsfähigkeit zu erhalten und zu stärken. Über diese drei Hauptzielgruppen hinaus haben grundsätzlich alle Unternehmen bundesweit Zugang zu den Fördermaßnahmen. Die im Rahmen des Förderprogramms gewonnenen Erkenntnisse werden sukzessive veröffentlicht.

Im Rahmen des Programms werden zwölf "Regionale Zukunftszentren", ein "Zentrum Zukunft der Arbeitswelt" als übergeordnetes Zentrum und ein "Haus der Selbstständigen" als Kompetenz-, Vernetzungs-, und Beratungszentren zur Bewältigung des insbesondere digital getriebenen Wandels der Arbeitswelt gefördert.

Weitere Informationen zu dem Programm finden Sie auf www.zukunftszentren.de sowie auf dem ESF-Webportal.

Auszug aus dem ESF-Newsletter