Wege aus der KiTa-Krise: KiTas stärken im Dialog

Datum
04.02.2026

Welche Wege, Lösungsansätze und neue Ideen stärken Kindertageseinrichtungen (KiTas) angesichts aktueller Herausforderungen? Darüber tauschten sich Ende letzten Jahres Sozialpartner und mehrere Projekte aus der ESF-Sozialpartnerrichtlinie "Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten" sowie dem Schwesterprogramm "rückenwind³ für Vielfalt, Wandel und Zukunftsfähigkeit in der Sozialwirtschaft" bei der Veranstaltung: "Branchendialog KiTa: Digitalisierung, Personalentwicklung und Resilienz. KiTas stärken im Dialog." aus.

Mehrere Personen in einem Besprechungsraum
Die Teilnehmenden des Branchendialogs KiTa diskutieren angeregt. © Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gemeinnützige GmbH

Kindertageseinrichtungen: Ein Lagebericht

Ein klares Bild der aktuellen Lage in KiTas präsentierten Niels Espenhorst (Paritätischer Wohlfahrtsverband) und Dr. Elke Alsago (ver.di): Vor allem große Einrichtungen und benachteiligte Sozialräume leiden demnach unter Unterbesetzung, Überstunden und hohen Krankenständen. Auch Leitungen würden daher zusätzlich Verwaltungsaufgaben und Gruppendienste übernehmen. Die Folge sei, dass diese Einschränkungen in der pädagogischen Arbeit direkte Auswirkungen auf Kinderschutz und Arbeitszufriedenheit haben. Gleichzeitig sinke die Qualifikation des Personals, da Fachkräftemangel zu mehr Quereinsteiger*innen und Deprofessionalisierung führe.

Eine Person vor einer Leinwand
Niels Espenhorst, Referent Kindertagesbetreuung, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V. (Der Paritätische) © Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gemeinnützige GmbH

ESF-geförderte Projekte unterstützen bei der Suche nach Lösungen

Diskutiert wurde, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann. Sozialpartnerschaftliche Arbeit sei nötig, um den Personalschlüssel zu verbessern und Ressourcen künftig anhand eines Indexes zu verteilen, der unterschiedliche KiTa-Situationen berücksichtigt. Konkrete Hilfe konnten hier Projekte der ESF-Sozialpartnerrichtlinie bieten, die ihre Arbeit vorstellten. Eine zentrale Erkenntnis: Unverzichtbar sind Reflexionsräume wie Dienstbesprechungen oder Fachberatung, um gemeinsame Probleme zu verarbeiten und Lösungen zu entwickeln. Diese würden bei Personalmangel aber gerade eher gestrichen.

Hier setzen die ESF Plus-geförderten Projekte der Sozialpartnerrichtlinie an, wie zum Beispiel:

  • Das Projekt "Resilienz in der Kinder- und Jugendarbeit" der Euro Schulen Sachsen-Anhalt Süd, das in Dessauer KiTas umgesetzt wird. Hier erhalten Leitungs- und Fachkräfte ausreichend Raum zur Reflexion. Dadurch können die Leitung und die Beschäftigten ihre Resilienz und Zusammenarbeit stärken und stolz auf ihre tägliche Arbeit blicken. Die Projektarbeit zeigt: gezielter Wissenstransfer, etwa zu rechtlichen Grundlagen der Kinderbetreuung und Kindeswohlgefährdung, erweitert unmittelbar die Handlungsfähigkeit der Beschäftigten.
  • Die Projekte "Kita Connect", "Smart Kita" und "Talentwerk" des Bildungswerks ver.di: Diese erstellen jeweils eine eigene Bedarfsanalyse in jeder KiTa. Darauf aufbauend werden beispielweise niedrigschwellige Qualifizierungen zur Personal- und Organisationsentwicklung angeboten. Durch Weiterbildungsmaßnahmen können zudem digitale Tools eingesetzt werden, die dazu beitragen, dass Arbeitsprozesse optimiert werden. Flankiert werden diese Maßnahmen von innovativen Austausch- und Lerntransfermodellen. So entstehen neue Ideen für den Umgang mit täglichen Herausforderungen und Impulse zur Selbsthilfe.

Gute Praxis in der KiTa-Branche würdigen

KiTas, die sich für Qualitätsentwicklung und bessere Arbeitsbedingungen engagieren, können sich für den Deutschen Kita-Preis und den DGB-Zusatzpreis Attraktivität der Arbeit bewerben. Elena Rehm (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) und Jeanette Schnell (DGB) betonten die Bedeutung dieser Auszeichnungen: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen würden viele KiTas herausragende Arbeit leisten, die durch die Preise sichtbar gemacht und gewürdigt wird - mit dem Ziel, andere zu inspirieren und Vernetzung zu fördern. Damit werde die zentrale Forderung unterstrichen: KiTa-Arbeit muss als gesellschaftliche Infrastruktur anerkannt werden.

Die ESF-Sozialpartnerrichtlinie "Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten: weiter bilden und Gleichstellung fördern"

Die ESF-Sozialpartnerrichtlinie "Wandel der Arbeit" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Sie beruht auf einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und wird in enger Abstimmung mit den Partnern entwickelt und umgesetzt.

Übergeordnetes Ziel des Programms ist die Stärkung der sozialpartnerschaftlichen Gestaltung der Arbeitswelt zur Förderung einer nachhaltigen Personalpolitik und Unternehmenskultur. Durch den Aufbau nachhaltiger Weiterbildungsstrukturen in Unternehmen und die Stärkung der gleichberechtigten, existenzsichernden Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gestärkt und die berufliche Handlungskompetenz von Mitarbeiter*innen erhalten und gefördert werden.

Weiterführende Informationen zur Sozialpartnerrichtlinie "Wandel der Arbeit" finden Sie auf dem ESF-Webportal sowie auf der Website der Regiestelle.

Auszug aus dem ESF-Newsletter