Aufs Tablett gezaubert

Datum
26.04.2019

"Betrieb und Jugendliche müssen zueinander passen." So steht es auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz, wo über das ESF-Programm "Passgenaue Besetzung - Unterstützung von KMU bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften" (kurz "Passgenaue Besetzung") informiert wird.

Der Gimmeldinger Winzer Peter Stolleis und sein Student beziehungsweise Azubi Julian Hauser können das nur unterschreiben. Denn sie haben sich mit Hilfe des ESF-Programms gefunden und passen nach eigenen Angaben genau zueinander. Nachdem Julian Hauser das agrarwissenschaftliche Gymnasium erfolgreich absolviert hat, steht für ihn fest, dass er Weinbau studieren möchte - am besten dual, damit er die Praxis direkt mitbekommt.

Als er sich näher damit beschäftigt, wird er auf das ESF-Programm "Passgenaue Besetzung" aufmerksam. Er ruft in der Geschäftsstelle der LWK in Bad Kreuznach an, füllt einen Bogen über sich und seine Wünsche bezüglich eines Ausbildungsplatzes aus und erhält die Auskunft, dass sich die Beraterinnen bei ihm melden, wenn passende Ausbildungsplätze vorhanden sind.

Peter Stolleis ist Winzer und führt das Weingut in Gimmeldingen in der vierten Generation. Er hat bereits eine duale Studentin in seinem Team und möchte einem weiteren jungen Menschen die Gelegenheit geben, in seinem Betrieb zu lernen. Fast zeitgleich mit der Suche von Julian Hauser meldet er für sein Weingut Stolleis bei den Beraterinnen des Programms "Passgenaue Besetzung" Bedarf an.

Es dauert nicht lange und Julian bekommt eine Mail. "Ich erhielt drei Betriebe, die meinen Vorstellungen entsprachen. Nach ein bisschen Recherche hat mir das Weingut Stolleis am besten gefallen, und ich habe meine Bewerbungsunterlagen hingeschickt." Im persönlichen Gespräch wird schnell klar: Die Chemie stimmt. Und so beginnt der 19-Jährige am 1. August 2018 sein Studium "Weinbau und Oenologie" am Weincampus Neustadt und seine Ausbildung zum Winzer im Weingut Stolleis.

Hier durchläuft er alles vom Anbau im Weinberg über den Ausbau im Keller bis hin zu Vermarktung und Verkauf. "Es ist toll, dass hier noch eine Studentin tätig ist. So können wir uns untereinander austauschen", sagt Hauser. Außerdem hat auch Kellermeister Florian Haas den dualen Studiengang in Neustadt absolviert. "Er kann total gut erklären und weiß genau, welche Informationen wir brauchen", schwärmt Student und Azubi Julian Hauser.

Zwei Mäner bei der Arbeit
Julian Hauser (rechts) bei der Arbeit mit Winzermeister Markus Weidmann vom Weingut Stolleis ©  LWK/Frei

Peter Stolleis freut sich, dass sein Auszubildender, der übrigens im Weingut wohnt, sich gut eingelebt hat. "Für mich ist es essenziell, dass junge Menschen nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis kennenlernen. Das duale Studium ist dafür ideal", sagt Stolleis. Und noch jemanden gibt es, der zufrieden ist: die Beraterinnen des Programms "Passgenaue Besetzung". "Wir schauen im Vorfeld schon, dass die Wünsche der Ausbildungskandidaten und die Gegebenheiten in den Betrieben gut zusammenpassen. Aber die menschliche Komponente muss natürlich stimmen. Das ist hier zu 100 Prozent der Fall", so Elisa Franz. Zusammen mit ihrer Kollegin Stefanie Albert betreut sie die Ausbildungsbörse und die Facebook Seite der "Passgenauen Besetzung", informiert auf Berufsmessen und in Schulen über die grünen Berufe.

Täglich kümmern sich die beiden um die Beratung von Betrieben und potenziellen Auszubildenden. "Ich kann das Programm "Passgenaue Besetzung" nur weiterempfehlen", betont Peter Stolleis. "Man hat uns Julian aufs Tablett gezaubert, und ich musste fast gar nichts dafür tun." Auch Julian ist dankbar: "Da ich aus dem südlichen Baden-Württemberg komme, kenne ich mich hier gar nicht aus. Da war das Team der "Passgenauen Besetzung" bei der Kammer überaus hilfreich. Einfacher gings nicht."1

Das Programm "Passgenaue Besetzung - Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften" wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Ziel des Programms ist es, Ausbildungsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen "passgenau" mit in- und ausländischen Jugendlichen zu besetzen und durch diesen Beitrag zur Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken. Gefördert werden Beratungsleistungen und Unterstützungsmaßnahmen der Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, der Kammern der Freien Berufe sowie anderer gemeinnützig tätiger Organisationen der Wirtschaft.

Die Beraterinnen und Berater besuchen und beraten die Betriebe, ermitteln den betrieblichen Bedarf an Auszubildenden, erstellen Anforderungsprofile, suchen nach potenziellen Auszubildenden, sichten Bewerbungsunterlagen und führen Auswahlgespräche und Einstellungstests durch. Auf dieser Grundlage treffen sie eine Vorauswahl geeigneter Auszubildender und unterbreiten dem Betrieb einen passgenauen Vorschlag.

Mehr Informationen zum Programm finden Sie auf dem ESF-Portal.

Fußnoten

1 Beitrag basiert auf einem Artikel in der "Rheinpfalz-Nr. 30" vom 05.02.2019