"Spektrum:Mensch" unterstützt Geflüchtete mit Behinderung bei der Inklusion auf den Arbeitsmarkt
- Datum
- 04.11.2025
Mit einem interdisziplinären Team aus Menschen mit und ohne Behinderung unterstützt "Spektrum:Mensch" als Teil des Verbundprojekts "RESQUE forward" in Dresden seit 2023 geflüchtete Menschen mit Behinderung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dank intensiver Begleitung, gezielter Dolmetsch und Vermittlungsangebote sowie starker Netzwerk Kooperationen konnten bereits über 40 Teilnehmende erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.
Ursprünglich startete "Spektrum:Mensch" 2021 mit einem Dolmetscherprojekt, das Gebärdensprachnutzende im Berufsleben unterstützt. Mit dem steigenden Bedarf wurde dieses Angebot um ein weiteres Projekt, das sich an Flüchtlinge mit Behinderung aus verschiedenen EU-Länder richtet, erweitert: Seit Januar 2023 ist "Spektrum:Mensch" Teil des sächsischen Projektverbunds "RESQUE forward" und wird durch den ESF Plus gefördert. Ziel des Teilprojekts ist die Vermittlung von Geflüchteten mit Behinderung bei der Integration in den Arbeitsmarkt in Mittel- und Ostsachsen.
Erfolgsfaktor Team
Seit Beginn wurden 70 Ratsuchende, meist solche mit Höreinschränkung, beraten und begleitet. Davon fanden 43 eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Vielfalt des Teams - darunter Mitarbeitende mit Hörbehinderung und Fluchterfahrung - schafft Vertrauen und Nähe zur Zielgruppe. Vielen Geflüchteten schenkt dies Mut und Hoffnung auf einen eigenen beruflichen Neuanfang. Das Projekt ist auch auf Landesebene auf Aufmerksamkeit gestoßen: Am 29. August dieses Jahres besuchte die Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie stellvertretende Ministerpräsidentin von Sachsen, Petra Köpping, das Projekt, um Einblicke in die inhaltliche Arbeit zu erhalten.
Langfristige Begleitung
Die Unterstützung ist engmaschig und langfristig angelegt - vom ersten Kontakt über den oft langen Weg der Bewerbungen bis hin zur Begleitung bei Vorstellungsgesprächen, Probearbeiten sowie der Zeit der Einarbeitung. Dabei fungiert das Team als "Vermittler" zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen. Misserfolge werden gemeinsam überwunden, Missverständnisse abgebaut und Chancen auf dauerhafte Beschäftigung erhöht. Für manche Bewerber*in endet der Bewerbungsprozess sogar mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag.
Kooperationen
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern. Dazu gehören Jobcenter, die Agentur für Arbeit, Inklusionsbetriebe, Kooperationspartner im Verbund sowie zahlreiche Netzwerke sachsen- und bundesweit. Dies erweitert die Reichweite des Projekts und sichert eine nachhaltige Zusammenarbeit. Konkret geht es dabei u.a. um die Akquirierung der Zielgruppen, die Unterstützung bei der Ausbildungssuche und die Vermittlung der Teilnehmenden in verschiedene Angebote zur Förderung ihrer Beschäftigungs- und Bildungsfähigkeit. In der Einzelfallberatung werden dabei immer die aufenthaltsrechtlichen Aspekte eingehend mitgedacht, um eine passende Beschäftigungsperspektive zu entwickeln bzw. zu sichern.
Synergieeffekte und Förderfristen
Für den Vermittlungserfolg ist die Verzahnung der verschiedenen Teilprojektpartner im Netzwerk "RESQUE forward" notwendig. So ist die flexible Bereitstellung von Dolmetschenden durch das Teilprojekt "Spektrum:Mensch" eine wichtige Voraussetzung dafür, geflüchtete Menschen mit (Hör)Behinderung in den Arbeitsmarkt erfolgreich zu integrieren.
Der Projektverbund wird noch bis Herbst 2026 gefördert. Das Projekt und dessen Team wünscht sich eine Verstetigung, weil es eine hohe Nachfrage für diesen Projektansatz gebe. Auch bei einheimischen Arbeitssuchenden mit Behinderung zeige sich, dass es einen Bedarf für diese erweiterte Unterstützung und intensive Begleitung zur Arbeitsmarktintegration gebe.
Einblick in die Arbeit des Projekts
Einen Einblick in die konkrete Arbeit des Projekts "Spektrum:Mensch" können Sie in einem Video auf YouTube gewinnen: Projektmitarbeiterin Hanna Vozdvyzhenska aus der Ukraine schildert die Zielstellung des Projekts und ihre persönliche Motivation, dort mitzuarbeiten.
Das ESF Plus-Programm "WIR - Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt"
Das Projekt "Spektrum:Mensch" ist Teil des Projektverbunds "RESQUE forward", der im Rahmen des Programms "WIR - Netzwerke integrieren Geflüchtete in den regionalen Arbeitsmarkt" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert wird.
Das Programm zielt darauf ab, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zur Zielgruppe gehören Geflüchtete mit Aufenthaltserlaubnis, Personen mit Aufenthaltsgestattung sowie Personen mit einer Duldung, die keinem absoluten Arbeitsverbot unterliegen. Temporäre Arbeitsverbote sind unschädlich. Besondere Berücksichtigung finden Personen mit Beeinträchtigung bzw. mit einer Behinderung sowie mit fluchtspezifischen Folgeerkrankungen.
Gefördert werden Maßnahmen wie z.B. arbeitsmarktbezogene Beratung und Berufsorientierung unter Berücksichtigung der besonderen Lebenslagen der Zielgruppe, Unterstützung beim Zugang zu den Leistungen des regulären Hilfesystems, bei Bedarf individuell erforderliche Qualifizierungsmaßnahmen, die Vermittlung in Arbeit, Ausbildung oder Schulbildung und betriebsnahe Aktivierung. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die langfristige Begleitung und Beratung der Teilnehmenden gelegt, auch nach Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung. Dieser präventive Ansatz dient der Vermeidung von Abbrüchen und soll die Nachhaltigkeit der Arbeitsmarktintegration sichern.
Weitere Informationen zum Programm "WIR" finden Sie auf dem ESF-Webportal.