In Sozialpartnerschaft Vielfalt und Demokratie in Unternehmen stärken

Datum
11.08.2026

Die Themen Gleichstellung, Vielfalt und Demokratie stoßen auf wachsenden Widerstand in den Unternehmen. Vier Modellprojekte der Sozialpartnerrichtlinie zeigen, mit welchen Ansätzen man im Unternehmen Vielfalt und demokratisches Handeln als integralen Bestandteil von Arbeits- und Organisationsentwicklung umsetzen kann.

Best Practise durch Relexionsworkshops

Vorgestellt wurden die vier Modellprojekte im Rahmen von Reflexionsworkshops. Diese bietet die Regiestelle "ESF-Sozialpartnerrichtlinie - Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten" regelmäßig an. Die "ESF-Sozialpartnerrichtlinie" fördert Projekte zur nachhaltigen Personalpolitik, Weiterbildung und Gleichstellung. Die Reflexionsworkshops dienen dem fachlichen Austausch, der Vermittlung von Best Practices und der Integration von ESF Plus-Grundsätzen in die aktive Projektarbeit.

Vor diesem Hintergrund trafen sich im April und Juni in den beiden Workshops "Vielfalt im Unternehmen gestalten" und "Demokratie im Betrieb stärken" zahlreiche Projekte aus der "ESF-Sozialpartnerrichtlinie". Neben dem Austausch über ihre Aktivitäten sowie Erfahrungen ging es darum, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, wie die Projektträger Vielfalt und demokratisches Handeln als integralen Bestandteil von Arbeits- und Organisationsentwicklung umsetzen können: praxisnah, strukturell und zukunftsorientiert.

Die vier Modellprojekte berichteten dabei von einem angespannten Arbeitsklima und zunehmender Diskriminierung im Arbeitsalltag. Aufgrund aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen ist es offenbar derzeit schwierig, Betriebe für Themen wie Vielfalt und Demokratie zu öffnen. Dabei ist gerade Demokratie ein wichtiger Standortfaktor: zunehmender Populismus dagegen birgt eher die Gefahr, dass Unternehmen sich nicht für den Wirtschaftsstandort Deutschland entscheiden und behindert die Rekrutierung von Fachkräften in hiesigen Unternehmen.

Begegnungsräume ermöglichen Perspektivwechsel und gegenseitiges Kennenlernen

Hier setzen die Modellprojekte der "ESF-Sozialpartnerrichtlinie" an. Sie schaffen Awareness für Vielfalt im Unternehmen, ermöglichen einen Perspektivwechsel und schaffen Räume für gegenseitiges Kennenlernen. Das tun sie auf ganz verschiedenen Wegen, wie die vier Modellprojekte zeigen:

Im Projekt "Sozialpartnerschaftliche Transformation der Stahlproduktion in Bremen" des Berufsfortbildungswerks Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB wurde Demokratie und ihre Rolle für die Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze erlebbar: Beschäftigte aus der Stahlindustrie analysierten in Workshops gemeinsam Wahlprogramme mit dem Blick auf die Fragestellung "Wer bereitet uns den Weg zum Grünen Stahl?".

Zwei Personen vor einem Schaubild
Zukunftslotsen des Projekts "Sozialpartnerschaftliche Transformation der Stahlproduktion in Bremen - Steel2H (B)" im Gespräch. © Annika Mildner, Institut für Training und Projekte (iftp)

Das Vorhaben "Die inklusive Organisation der Zukunft" von FAIR SHARE of Women Leaders begleitet zivilgesellschaftliche Organisationen bei ihrem Organisationsentwicklungsprozess hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Zentrale Bausteine sind hier die Vermittlung von Fach- und Methodenwissen sowie Peer to Peer Learning. Mit Hilfe passgenauer Angebote erarbeiten elf Organisationen individuelle Entwicklungsstrategien und entwerfen gemeinsam die "inklusive Organisation der Zukunft".

Eine Menschengruppe in einem Saal
Lea Schiewer, FAIR SHARE of Women Leaders e.V., stellt das Projekt "Die inklusive Organisation der Zukunft" vor. © Laurent Hoffmann, Fair Share of Women Leaders

Die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin hingegen versteht den Betrieb in ihrem Projekt "Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt im Betrieb" als Lern- und Erfahrungsraum für demokratische Kompetenzen und unterstützt u.a. mit einer Schulungsreihe zum Umgang mit rechtsextremen Parolen, der Entwicklung von betrieblichen Strategien z.B. in Form einer Netiquette und konkreten Praxis-Tools, beispielsweise einer Argumentationshilfe zur Förderung eines konstruktiven Dialogs.

Eine Menschengruppe vor einer Leinwand
Auftaktveranstaltung des Projekts "Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt im Betrieb" bei den varisano Kliniken Frankfurt-Main-Taunus. © Varisano

Die IG Metall setzt in ihrem Modellprojekt "Gleichstellung im Betrieb vorantreiben" hingegen auf die strukturelle Verankerung von Gleichstellung. Betriebsräte werden dabei unterstützt, sich für Gleichstellung einzusetzen. Dazu werden innerbetriebliche Beschwerdestellen eingerichtet, der Abschluss von Betriebsvereinbarungen begleitet, Schulungen durchgeführt und digitale Gleichstellungsberichte etabliert.

Eine Menschengruppe auf einer Treppe
Projektslots*innen und Vertreter*innen des Projekts "Gleichstellung im Betrieb" auf der IG Metall Fachtagung zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz in Rüsselsheim. © Peter Bisping, IG Metall

Betriebliche Mitbestimmung verändert die Gesellschaft

Sowohl die Erfahrungen aus der Projektarbeit als auch die anschließenden Diskussionen in den Reflexionsworkshops brachten ein klares Fazit: Persönliche Betroffenheit führt zu Beteiligung - wer weiß, warum ein Thema die eigene Lebensrealität direkt betrifft, engagiert sich eher. Betriebliche Mitbestimmung wiederum erhöht die Selbstwirksamkeit und stärkt die Arbeitsmotivation der Beschäftigten. Hier zeigt sich die elementare Rolle der Projektlots*innen, die als “Botschafter*innen“ der Projekte im Unternehmen die gegenseitige Kommunikation zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten bzw. Betriebsrat verbessern.

Eine wertschätzende Unternehmenskultur hat schließlich positive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft: Denn wer im Betrieb teilhaben kann, überträgt demokratische Werte auch auf andere Lebensbereiche. Damit kann die Stärkung des sozialpartnerschaftlichen Arbeitens, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Betriebes, zur Demokratieförderung beitragen.

Das ESF Plus-Programm "Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten: weiter bilden und Gleichstellung fördern" ("Wandel der Arbeit")

Das ESF Plus-Programm "Wandel der Arbeit" ist eine gemeinsame Initiative vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Es wird über den Europäischen Sozialfonds (ESF Plus) von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

Die Arbeitswelt steht mit dem demografischen, digitalen und ökologischen Wandel mitten in Veränderungen, die sich auf nahezu alle Branchen auswirken. In den Themen Gleichstellung der Geschlechter, Vielfalt und Teilhabe aller gibt es nach wie vor starken Handlungsbedarf. Passgenaue Qualifizierungen stellen einen wichtigen Ansatz zur Vermittlung der erforderlichen Fähigkeiten auf der Beschäftigtenseite. In diesem Kontext bedarf es des Aufbaus nachhaltiger und Teilhabe fördernder Personal- und Weiterbildungsstrukturen in Unternehmen.

Hier setzt das Programm "Wandel der Arbeit" an. Ziele sind etwa die Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung in Unternehmen und die Stärkung qualifikationsgerechter und existenzsichernder Erwerbsbeteiligung von Frauen. Die Einbindung der Sozialpartner nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Weitere Informationen zum Förderprogramm "Wandel der Arbeit" finden Sie auf dem ESF-Portal sowie auf der Website des Programms.

Auszug aus dem ESF-Newsletter