Potenziale erkennen, Zukunft gestalten: So stärkt "KomBI" Zugewanderte im Rahmen des Förderprogramms "IQ"

Datum
04.02.2026

Das ESF Plus-Förderprogramm "IQ - Integration durch Qualifizierung" unterstützt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bei der Arbeitsmarktintegration. Dabei stehen auch Personen ohne formale Berufsqualifikation im Fokus. Um diese zu unterstützen, greifen die "IQ"-Beratungs- und Qualifizierungsangebote auf Verfahren zur Feststellung und Sichtbarmachung von Kompetenzen zurück. Hier setzt die KomBI-Laufbahnberatung (Kompetenzorientiert - Biografisch - Interkulturell) an. Mit dieser Methode werden Ratsuchende darin unterstützt, sich ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden, neue Perspektiven zu entdecken und ihren individuellen Karriereweg zu gestalten. Das umfasst erste praktischen Erfahrungen im Betrieb, den Einsatz vorhandener Tools bis hin zu einem individuellen Coaching.

KomBI wurde im Rahmen des Förderprogramms "IQ" durch die Performplus GmbH entwickelt. Deren Team besteht aus Psycholog*innen, Coaches, Unternehmer*innen und Berater*innen mit langjähriger Erfahrung in Gründungsförderung, Kompetenzentwicklung und Laufbahnberatung.

Schon 2017 wurde KomBI als bestes von insgesamt 11 bewerteten Verfahren zur beruflichen (Weiter-)Orientierung von der Stiftung Warentest ausgezeichnet.

Was genau KomBI ist und wie es im Förderprogramm "IQ" umgesetzt wird, beantwortet Fabian Weiß von Performplus im Interview mit der "IQ"-Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung. Er ist Lehrtrainer der KomBI-Laufbahnberatung und schult Coaches für den interkulturellen Beratungskontext. 2015 übernahm er die Projektleitung KomBI-Laufbahnberatung im Netzwerk "IQ".

Portraitbild
Fabian Weiß, Lehrtrainer der KomBI-Laufbahnberatung, PerformPlus © Performplus GmbH

Was umfasst die KomBI-Laufbahnberatung und wie geht sie auf besondere Bedürfnisse von Zugewanderten ein?

Fabian Weiß: Die KomBI-Laufbahnberatung wurde speziell für Menschen mit Migrationserfahrung entwickelt. Zunächst vor allem für jene, die bereits im Ausland berufliche Erfahrungen gesammelt oder ein Studium absolviert haben und in Deutschland arbeiten wollten.

Mit dem Coachingverfahren erkennen die Teilnehmenden oft ihre Stärken und - oft auch - unbewusste Kompetenzen. Wir beraten biografisch und interkulturell sensibel. Die Teilnehmenden reflektieren unter Begleitung des Coaches in mehreren Sitzungen ihre bisherigen Erfahrungen. Sie erhalten dafür passgenaue Materialien und entwickeln so konkrete berufliche Perspektiven für sich selbst. Diese Methode stärkt das Selbstvertrauen und die Eigeninitiative der Teilnehmenden. Gerade das sehen wir als zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration in die Arbeitswelt.

Wo wird KomBI im Rahmen von "IQ" eingesetzt?

Fabian Weiß: Seit 2009 wurden rund 300 Berater*innen aus verschiedenen "IQ" - Angebotsbereichen geschult. KomBI wird bundesweit in Coaching- und Mentoringprogrammen eingesetzt, aber auch begleitend in der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung. Zu uns kommen häufig gut ausgebildete Menschen, deren Qualifizierungen hier nicht anerkannt wurden. Durch KomBI gewinnen sie das Selbstbewusstsein, ggf. auch neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.
Um ein Beispiel zu nennen: Fatima, 38 Jahre alt und aus Syrien geflüchtet, arbeitete in ihrem Heimatland als Grundschullehrerin und engagierte sich ehrenamtlich in einem Frauenzentrum. In der KomBI-Laufbahnberatung reflektierte sie ihre biografischen Stationen, erkannte ihre ausgeprägten kommunikativen und organisatorischen Kompetenzen und belegte diese anhand konkreter Erfahrungen. Gemeinsam mit der Beraterin entwickelte sie das Ziel, als Schulbegleiterin in Deutschland zu arbeiten und begann eine entsprechende Qualifizierungsmaßnahme. Die Beratung stärkte ihr Selbstvertrauen und half ihr, ihre Kompetenzen gezielt in die neue Lebensrealität zu übertragen.

KomBI wird auch virtuell erprobt. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?

Fabian Weiß: Die digitale Durchführung hat sich als wirksam und sehr effektiv erwiesen. Da es eine gute technischere Einführung gibt, können die Teilnehmenden vom strukturierten Zugang zu Materialien und einem virtuellen Coachingraum profitieren, der ihnen auch nach Abschluss offensteht. Sprachliche Barrieren lassen sich dank KI-gestützter Tools inzwischen deutlich besser überwinden.

Welche konkreten Ergebnisse erhalten Teilnehmende und wie helfen diese bei der nachhaltigen, bildungsadäquaten Arbeitsmarktintegration?

Fabian Weiß: Teilnehmende erhalten eine umfassende Dokumentation ihrer Kompetenzen sowie einen individuellen Aktionsplan. Wichtig ist, dass sie ihre Kompetenzen klar und differenziert formulieren und vertreten können: "Das bin ich! Das kann ich! Das will ich tun!" Dadurch lernen Arbeitgebende die Bewerber*innen besser kennen und können deren Potenziale für ihren Betrieb ableiten, auch wenn die fachliche Qualifikation formal (noch) nicht gegeben ist.

Das ESF Plus-Förderprogramm "IQ - Integration durch Qualifizierung"

Das Programm "IQ - Integration durch Qualifizierung" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge administriert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Bundesagentur für Arbeit. Ziel ist es, die Arbeitsmarktchancen von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte durch passgenaue Beratungs-, Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote, u.a. im Kontext der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen, zu verbessern. Die "IQ"-Fachstelle Anerkennung und Qualifizierung unterstützt "IQ"-Beratungsstellen und Qualifizierungsträger u.a. durch fachliche Begleitung, außerdem bereitet sie Erkenntnisse aus dem Förderprogramm für die (Fach-)Öffentlichkeit auf.

Weitere Informationen zum Förderprogramm "IQ - Integration durch Qualifizierung" finden Sie auf dem ESF-Webportal sowie auf der Website des Programms.

Auszug aus dem ESF-Newsletter