Innovatives und praxisnahes Personalmanagement in der Sozialwirtschaft

Datum
26.03.2026

Qualifiziertes und motiviertes Personal ist eine zentrale Ressource der Sozialwirtschaft. Und Mitarbeiter*innen zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden, ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen. Eine alternde Belegschaft, begrenzte Budgets und steigende Anforderungen machen ein strategisches Personalmanagement unverzichtbar. Im ESF Plus-Förderprogramm "rückenwind³" werden hierzu vielfältige Modelle erprobt. Drei der Modellprojekte stellen ihre Ergebnisse vor.

Personalgewinnung mit wenig Mitteln und großer Wirkung

Joanna Czerniawski vom Projekt "SocialCampus | TransferHub" des PARITÄTISCHEN Landesverbandes Schleswig-Holstein e.V. weiß, dass vielen der über 500 oftmals kleinen und mittleren Mitgliedsorganisationen Wissen und Ressourcen für ein strategisches Personalmanagement fehlen. Das Projekt setzt daher auf eine starke Transferkultur über vernetzende Fortbildungsformate, Barcamps und gemeinsame Lösungsentwicklung. "Wichtig ist uns ein großer Praxisbezug. Wir erarbeiten Tools und Praxishilfen für niedrigschwellige Maßnahmen", so Joanna Czerniawski. Dazu gehören etwa Hinweise zur Einführung eines Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programms oder eine Arbeitshilfe Peer-Coaching. Gerade hinsichtlich der "Personalgewinnung mit wenig Mitteln", habe sich dieser Ansatz bewährt. Gemeinsam entwickelte Inhalte - Prinzipien, Instrumente und Maßnahmen - wurden im öffentlich zugänglichen sogenannten TransferHub geteilt.

Logo des "rückenwind³"-Modellprojektes SocialCampus/TransferHub
Logo des "rückenwind³"-Modellprojektes SocialCampus/TransferHub © PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein e.V.

Lebensphasenorientierte Personalpolitik - Bindung durch flexible Übergänge

"Im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. gibt es viele Recruitingmaßnahmen, aber es wird zu wenig auf internes Potenzial geschaut", so Julia Bauer vom Projekt "Sara - Personalgewinnung mit einer lebensphasenorientierten Personalpolitik in sozialen Einrichtungen". Doch gerade das Arbeitskräftepotenzial von Mitarbeitenden in Care-Situationen oder im Übergang zur Rente könne noch stärker aktiviert werden. Im "rückenwind³"-Projekt "Sara" begleitet sie mit Susanne Bohlien die Entwicklung flexibler Arbeitsmodelle und Personalinstrumente, die die unterschiedlichen Lebensphasen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden genauer berücksichtigen. Ziel ist es, eine schnelle Rückkehr aus Eltern- und Pflegezeiten zu ermöglichen sowie eine vollzeitnahe Beschäftigung von Mitarbeitenden mit Care-Aufgaben zu fördern. In einem weiteren Ansatz werden die letzten Berufsjahre sowie die erste Zeit im Ruhestand stärker für Erwerbsarbeit erschlossen.

Schaubild
Lebensphasenorientierte Personalpolitik im Projekt "Sara" im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. © Diakonisches Werk der ev. Kirche in Württemberg e.V.

Dazu arbeitet das Projekt mit der Erstellung von sogenannten "Personas", Prototypen, die Mitarbeitende in verschiedenen Lebensphasen repräsentieren. "Erstaunlich, wie gut Prototypen helfen, kreative Lösungen zu entwickeln!", berichtet Susanne Bohlien begeistert. Entstanden sind vielfältige Ansätze bezüglich Vereinbarkeit und Renteneintritt. Dazu gehören etwa intern organisierte Kinderbetreuung, mehr Selbststeuerung in Teams oder lebensphasenorientierte Mitarbeitenden-Gespräche, die nun in die Erprobung gehen.

Offboarding im Rentenalter - Wertschätzung statt abruptem Abschied

Heike Stegink und Tatjana Termeer von der Lebenshilfe Nordhorn entwickeln im Projekt "Gekommen um zu bleiben!" mit einer Gruppe älter werdender Mitarbeitender einen umfassenden Prozess zur Begleitung des Arbeitsausstiegs im Rentenalter (Offboarding). "Es wurde schnell deutlich: Es ist nicht nur Prozess-, sondern auch Kulturarbeit - und es braucht eine klare Zuständigkeit", so Heike Stegink. Nach intensiver Arbeit sind eine fest etablierte Verabschiedungskultur, verbunden mit einem klar geregelten Offboarding-Prozess entstanden. Dazu zählen ein Offboarding-Fragebogen, diverse Angebote für den Übergang (z.B. Info-Veranstaltung "Fahrplan Rente"), ein systematischer Prozess zur nachhaltigen Wissenssicherung, Verabschiedungsrituale oder Engagement-Möglichkeiten nach Renteneintritt. "Wir wollen eine Pionierrolle beim Offboarding einnehmen", erläutert Tatjana Termeer ihr Projektziel - und das scheint gelungen.

Schaubild
Instrumente und Maßnahmen zum Offboarding im Rentenalter der Lebenshilfe Nordhorn gGmbH © Lebenshilfe Nordhorn gGmbH

Zwei Frauen
KI-generierte Kampagnenidee zum Offboarding im Rentenalter bei der Lebenshilfe Nordhorn gGmbH © Lebenshilfe Nordhorn gGmbH

Das ESF-Programm "rückenwind³ für Vielfalt, Wandel und Zukunftsfähigkeit in der Sozialwirtschaft" (kurz: "rückenwind³")

Das Programm „rückenwind3" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die EU über den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert. Das Programm zielt auf die Fachkräftesicherung in sozialen Berufs- und Arbeitsfeldern. Gefördert werden aktuell rund 180 Modellvorhaben der Personal- und Organisationsentwicklung und des Kulturwandels in gemeinnützigen Organisationen und Unternehmen der Sozialwirtschaft. "rückenwind³" wird in der ESF Plus-Förderperiode 2021-2027 in enger Partnerschaft des BMAS und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. (BAGFW) umgesetzt. Eine externe Regiestelle in der BAGFW koordiniert die Programmumsetzung.

Weitere Informationen zum Programm "rückenwind³" finden Sie auf dem ESF-Webportal sowie auf der Programmwebsite "rückenwind³".

Kontakt: regiestelle@bag-wohlfahrt.de

Auszug aus dem ESF-Newsletter