Das Potential und die Motivation zugewanderter Frauen nutzen

Datum
29.09.2026

Um die Erfolge und Perspektiven bei der Arbeitsmarktintegration zugewanderter Frauen ging es beim Netzwerktreffen des ESF Plus-Programms "MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch" am 28./29. September 2026 in Berlin.

Die rund 200 Teilnehmenden aus den Projekten, der Arbeitsverwaltung, der Wissenschaft und weiteren Partnerorganisationen diskutierten über das Fachkräftepotenzial neu zugewanderter Frauen und wie diese auf ihrem Weg in Qualifizierung und nachhaltige Beschäftigung begleitet werden können.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie hob die große Leistungskraft zugewanderter Frauen für den Arbeitsmarkt und den Fachkräftebedarf hervor:

Frauen mit Migrationserfahrung bringen viel Potenzial für den Arbeitsmarkt mit – auch wenn dieses zum Teil noch freigelegt werden muss. MY TURN zeigt, wie dies durch eine zielgerichtete und bedarfsorientierte Förderung gelingen kann und verbindet damit erfolgreich Arbeitsmarkt-, Gleichstellungs- und Integrationspolitik."

Und ferner betonte sie: "Die allermeisten Frauen, die zu uns kommen, sind hochmotiviert".

Den wissenschaftlichen Auftakt setzte Prof. Dr. Magdalena Nowicka vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), indem sie die Lebensrealitäten von Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung einordnete - von der Anerkennung von Berufsqualifikationen über strukturelle Barrieren bis zu den regionalen und kommunalen Rahmenbedingungen.

Im anschließenden Podiumsgespräch kamen Politik, Projektpraxis, Arbeitsverwaltung und Programmmonitoring zusammen: Neben Leonie Gebers diskutierten Aurora Meyring (Projektleiterin "START – Selbstbestimmte Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt", Hannover), Stefanie Knoll (Teamleiterin, Jobcenter Lübeck) und Dr. Silke Kriwoluzky (Geschäftsführerin SÖSTRA - Institut für sozialökonomische Strukturanalysen, Berlin).

Im Rahmen der ESF Plus geförderten MY TURN-Projekte werden die Teilnehmerinnen individuell beraten, und bei der Suche und Umsetzung gezielter Maßnahmen, unter anderem im Bereich Sprach- und Bildungserwerb, sowie der Arbeitsmarktberatung begleitet. "Wir haben viele Werkzeuge, die der komplexen Situation und den Bedarfen der Teilnehmerinnen helfen", berichtete Aurora Meyering, Leiterin des MY TURN-Projekts "START" aus ihrer Praxis. Die Teamleiterin des Jobcenters Lübeck, Stefanie Knoll, konnte das aus eigener Erfahrung bestätigen: "Neben der Beratung im Jobcenter brauchen wir für eine passende und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt MY TURN als ständigen Berater."

Besonders eindrücklich war der Beitrag einer Teilnehmerin des Projekts "START". Sie hat als Mutter von vier Kindern über MY TURN den Weg in eine Teilzeitberufsausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin gefunden. Eine weitere, inzwischen ehemalige Teilnehmerin berichtete, dass sie nach einer beruflichen Qualifizierung nun selbst zugewanderte Frauen innerhalb des MY TURN-Projekts in Stuttgart berät. Aus dem Berliner MY TURN-Projekt "Dein Fahrplan für die Zukunft" schilderte eine weitere Teilnehmerin den schwierigen Weg in ihren Traumberuf als IT-Dozentin.

Der Ansatz von MY TURN zahlt sich auch für die nächste Generation aus: "Wir empowern Mütter, die Vorbild für die nächste Generation, ihrer Töchter und Söhne, werden", so das Resümee der "START"-Projektleiterin Aurora Meyering.

Auch Natalie Pawlik, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie für Antirassismus hob die Bedeutung des Programms für neu zugewanderte Frauen hervor:

Für viele Frauen mit Einwanderungsgeschichte ist der Weg in den Arbeitsmarkt noch immer mit besonderen Hürden verbunden, von fehlender Kinderbetreuung und Sprachbarrieren über die Anerkennung von Berufsabschlüssen bis hin zu eingeschränkter Mobilität und Diskriminierung. Wenn wir ihre Chancen auf Qualifizierung und gute Arbeit verbessern wollen, müssen wir diese strukturellen Hürden abbauen und passgenaue Unterstützung anbieten. Genau hier setzt MY TURN an: Das Programm eröffnet Perspektiven, stärkt Frauen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt und hilft dabei, vorhandene Potenziale besser zu nutzen."

Solange neu zugewanderte Frauen auch weiterhin vor vielfältigen Herausforderungen stehen, bleibe die Arbeit der MY TURN-Projekte auch künftig unverzichtbar.

Das Programm "MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch"

Das ESF Plus-Bundesprogramm "MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch" hat zum Ziel, die Bildungsteilhabe und Arbeitsmarktchancen von (formal) geringqualifizierten Frauen mit eigener Migrationserfahrung nachhaltig zu verbessern. Das Programm setzt darauf, neu zugewanderte Frauen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf zu erreichen und sie auf ihrem Weg in Qualifizierung und nachhaltige Beschäftigung zu begleiten. Damit leistet MY TURN einen bedeutenden Beitrag zur Integration und zugleich zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in Deutschland.