IQ Themendossier "Berufsanerkennung für Physiotherapeut*innen - der Weg zur Fachkraft"

Datum
17.02.2022

Seit über einem Jahrzehnt fehlen mehr und mehr Physiotherapeut*innen in Deutschland. Die offenen Stellen können nicht vollständig durch Therapeut*innen besetzt werden, die in Deutschland studiert oder eine Ausbildung absolviert haben. Daher ist die Nachfrage nach Personen mit einer ausländischen Ausbildung als Physiotherapeut*in hoch. Das neue "IQ" Themendossier "Berufsanerkennung für Physiotherapeut*innen - der Weg zur Fachkraft" zeigt auf, wie die Berufszulassung in Deutschland gelingen kann. Hierbei sind die Beratungsstellen des ESF-Förderprogramms "IQ" behilflich.

Physiotherapeut*in: Ausbildung und Anerkennung in Deutschland

Physiotherapeut*in gehört in Deutschland zu den Berufen mit einer gesetzlich geschützten Berufsbezeichnung. Die Ausbildung und Prüfung für diesen Beruf regelt das Masseur- und Physiotherapeutengesetz - MPhG vom 26. Mai 1994. Voraussetzung für eine Tätigkeit in diesem Beruf ist eine dreijährige schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie, die zu einer staatlichen Abschlussprüfung führt. Daneben besteht die Möglichkeit, Physiotherapie an einer Hochschule zu studieren (vgl. Physiotherapeut - Bundesgesundheitsministerium (mehralsnureinjob.com)). Personen, die ihre Qualifizierung im Ausland erworben haben, können auf Antrag bei der zuständigen Behörde einen Anerkennungsprozess durchlaufen, um eine Berufszulassung zu erhalten. Voraussetzung dafür ist eine Ausbildung oder ein Studium der Fachrichtung Physiotherapie mit einem Abschluss, der im Heimatland zur Ausübung des Berufs Physiotherapeut*in befähigt, und - sofern erforderlich - eine zusätzliche Qualifizierung, um das Niveau der deutschen Ausbildung zu erreichen. Wurde der Anerkennungsprozess erfolgreich abgeschlossen und sind weitere Voraussetzungen (z. B. gesundheitliche Eignung, persönliche Integrität, B2-Sprachnachweis) erfüllt, wird die Berufszulassung erteilt. Mehr als 85 % der Physiotherapeut*innen arbeiten im Gesundheitswesen, zum Beispiel in einem Krankenhaus, einer Rehabilitationseinrichtung oder einer Physiotherapiepraxis. Weitere Jobmöglichkeiten gibt es in Seniorenheimen oder im Sozialwesen.

Illustration Physiotherapie
"IQ" Themendossier zur Berufsanerkennung von Physiotherapeut*innen. © iStock.com/elenabs

"IQ" Beratungsstellen: Hilfestellung rund um die Anerkennung

Personen mit ausländischen Berufsqualifikationen, die bereits in Deutschland leben, können sich an die regionalen "IQ" Beratungsstellen für Informationen zu ihren Anerkennungsmöglichkeiten wenden. Die Berater*innen unterstützen sie dabei, das Anerkennungsverfahren vorzubereiten und zu starten. Sie informieren auch über passende Lehrgänge oder Kurse innerhalb und außerhalb des Förderprogramms "IQ", um festgestellte Unterschiede zur deutschen Ausbildung ausgleichen zu können, oder zeigen alternative Möglichkeiten zum Berufseinstieg als Physiotherapeut*in auf. Von Januar 2019 bis Juni 2021 führten die "IQ" Anerkennungsberater*innen mehr als 1.550 Beratungen zur Anerkennung von Physiotherapeut*innen mit im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen durch. 168 dieser Ratsuchenden nahmen bislang ein "IQ" Angebot zur Qualifizierung wie Anpassungslehrgänge oder Vorbereitungskurse auf die Kenntnisprüfung an. Seit Einführung des Anerkennungsgesetzes im Jahr 2012 sind bis Ende 2020 insgesamt 8.262 Anträge auf Anerkennung von ausländischen Physiotherapeut*innen gestellt worden - laut Angaben des Statistischen Bundesamtes die dritthöchste Zahl nach Pflegekräften und Ärzt*innen. 5.610 Verfahren wurden bis Ende 2020 abgeschlossen, davon wurden knapp 97 Prozent positiv beschieden1.

"IQ" Erfolgsgeschichten: Anerkannte Fachkräfte aus Kroatien und Syrien berichten

Abgerundet wird das Dossier durch die Erfahrungsberichte von Andelina Budimir aus Kroatien und Faisal Hamdo aus Syrien, die ihren persönlichen Weg bis hin zur Arbeitsaufnahme in Deutschland schildern. Frau Budimir zog 2013 als ausgebildete Physiotherapeutin nach Hamburg. Mit Hilfe des "IQ" Netzwerks Hamburg verbesserte sie ihre Sprachkenntnisse und nahm an einer sechsmonatigen Anpassungsqualifizierung für Gesundheitsberufe teil, so dass sie im Januar 2016 ihre Anerkennung erlangte. Einen Monat später erhielt sie eine Festanstellung, zunächst in einer Physiotherapiepraxis und anschließend im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Faisal Hamdo hatte in Syrien Physiotherapie studiert und dort zwei Jahre gearbeitet, bevor er 2014 nach Deutschland flüchten musste. Auch er wandte sich an das "IQ" Netzwerk Hamburg. Sein Antrag auf Anerkennung war erfolgreich, nachdem er die fehlenden notwendigen Dokumente für die Gleichwertigkeitsprüfung aus Syrien besorgen und anschließend in einem Sprachkurs und einem sechsmonatigen Anpassungslehrgang die wesentlichen Unterschiede zur deutschen Ausbildung ausgleichen konnte. Nach der Tätigkeit in einer Physiotherapiepraxis wechselte er ebenfalls in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Als zusätzlichen Service weist das Themendossier alle Adressen und Kontaktdaten der "IQ" Anerkennungsberatungsstellen vor Ort aus. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere hilfreiche Informationen zur Berufsanerkennung "Physiotherapeut*in" in Deutschland.

Das "IQ" Themendossier "Berufsanerkennung für Physiotherapeut*innen - der Weg zur Fachkraft" ist in deutscher Sprache über diesen Link verfügbar.

Das ESF-Förderprogramm "IQ"

Das ESF-Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" arbeitet seit 2005 an der Zielsetzung, die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Von zentralem Interesse ist, dass im Ausland erworbene Berufsabschlüsse - unabhängig vom Aufenthaltstitel - häufiger in eine bildungsadäquate Beschäftigung münden.

Das in allen 16 Bundesländern mit rund 400 Teilprojekten aktive Förderprogramm "IQ" hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Adresse für Zugewanderte und Geflüchtete erwiesen, die eine Arbeitsmarktintegration anstreben. Es wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit. Weitere Informationen zum ESF-Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" finden Sie auf dem ESF-Portal sowie auf der Website des Programms.

1 Auf eine Anfrage des Multiplikatorenprojekts Transfer im Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" im August 2021 erstellte das Statistische Bundesamt (Berufsbildungsstatistik) eine Sonderauswertung zu "Anerkennungsverfahren nach Entscheidung und Berichtsjahr 2012 bis 2020" im Rahmen der Anerkennungsstatistik bundesrechtlich und landesrechtlich geregelter Berufe. zurück

Auszug aus dem ESF-Newsletter